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HIV-Risiken auf Reisen werden unterschätzt

Reisenden ist häufig nicht bewusst, dass in vielen Ländern ein hohes Risiko für HIV-Infektionen besteht. Besonders bei Reisen nach Afrika oder Südostasien ist die Prävention von Aids ein wichtiges Thema bei der medizinischen Beratung. Und bei Reiserückkehrern mit unklaren Beschwerden ist immer eine mögliche HIV-Infektion mitzubedenken.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Ein Urlaubsflirt kann schwere Folgen haben. In Südafrika ist zum Beispiel jeder fünfte junge Erwachsene mit HIV infiziert.

Ein Urlaubsflirt kann schwere Folgen haben. In Südafrika ist zum Beispiel jeder fünfte junge Erwachsene mit HIV infiziert.

© Foto: GSK

Ein älterer Mann kommt mit einer Pneumocystis-carinii-Pneumonie (PcP) in die Klinik. Es stellt sich heraus, dass er sich bei einer Südafrika-Reise sechs Jahre zuvor mit HIV angesteckt hat. Ein junger Mann hat nach einem Langzeitaufenthalt in den USA rezidivierende Durchfälle. Auch bei ihm wird schließlich eine HIV-Infektion diagnostiziert. Ein weiterer Mann brachte eine HIV-Infektion von einer Thailand-Reise mit. Diese drei Krankengeschichten hat Dr. Carlos Fritzsche von der Universität Rostock geschildert.

"Das HIV-Risiko auf Reisen wird unterschätzt", hat der Infektiologe beim 10. Forum Reisen und Gesundheit in Berlin betont. Meist würden Infektionen bei jungen Erwachsenen beobachtet, die ohne festen Partner verreisen, sagt Fritzsche. Alkohol und Freizeitdrogen erhöhen dabei das Ansteckungsrisiko. Und nicht nur junge Menschen infizieren sich auf Reisen mit HIV.

HIV ist auch ein Problem bei der Fußball-WM in Südafrika

Besonders Touristen lassen sich bei Auslandsreisen auf ungeschützten Geschlechtsverkehr mit Einheimischen ein. Und in Ländern wie Südafrika, wo fast jeder fünfte jüngere Erwachsene mit HIV infiziert ist, besteht dabei ein hohes Ansteckungsrisiko. Das könnte besonders im nächsten Jahr ein Problem werden, wenn zur Fußballweltmeisterschaft Massen von Fans nach Südafrika reisen werden. Überall in Endemieländern haben zudem Migranten, die in ihrer ehemaligen Heimat Freunde und Familie besuchen, ein hohes Infektionsrisiko. Stark erhöhte Risiken bestehen dabei außer in Afrika südlich der Sahara auch in Südostasien. Und die Nachfolgestaaten der früheren Sowjetunion haben in den vergangenen Jahren hohe Zuwachsraten bei HIV-Infektionen gehabt.

Unklare Symptome können Zeichen von HIV-Infekt sein

Zur Prophylaxe gehören bei Reisen daher Kondome ins Gepäck, sie sind - nach Enthaltsamkeit - der zweitbeste Schutz vor der Infektion, wie Fritzsche in Berlin betonte. Und bei Reiserückkehrern mit unklaren Symptomen wie Fieber, Gewichtsverlust, Lymphknotenschwellungen, Mundsoor oder Pharyngitis sollte auch an eine HIV-Infektion gedacht werden.

Auf etwa 1 : 200 beziffert der Tropenmediziner das Ansteckungsrisiko beim Geschlechtsverkehr mit einem HIV-infizierten Partner. Höher ist das Risiko (1 : 150) beim intravenösen Drogengebrauch mit kontaminiertem Spritzbesteck - vor dem unbedingt zu warnen ist. Nach Angaben des Infektiologen sind zudem in Afrika fünf bis zehn Prozent der Blutkonserven mit HIV kontaminiert. So können lebensrettende Transfusionen oder Medikamente aus Blut schwere Spätfolgen haben.

Ein hohes Risiko haben zudem Menschen in medizinischen Berufen, die in Endemieländern in Kliniken oder Ambulanzen arbeiten, etwa Medizinstudenten, die eine Famulatur machen. Nadelstichverletzungen und andere Kontakte mit kontaminiertem Blut sind dort häufig.

Nach einer möglichen Exposition wird eine medikamentöse Postexpositionsprophylaxe (PEP) über vier Wochen empfohlen, die eine Ansteckung verhindern kann. Das Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (BCRT) rät bei Aufenthalten mit Hilfsdiensten zur Mitnahme von PEP-Medikamenten. Ein Problem sind dabei die hohen Kosten: etwa 860 Euro seien dafür zu veranschlagen, sagte Privatdozent Tomas Jelinek vom BCRT zur "Ärzte Zeitung".

Das Geld ist gut angelegt. Nach den Erfahrungen von Jelinek brauchen 40 Prozent der medizinischen Hilfskräfte bei solchen Einsätzen die Prophylaxe auch.

www.rki.de, Infektionskrankheiten A-Z

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