Direkt zum Inhaltsbereich

HIV-Therapie braucht Compliance über 90 Prozent

MÜNCHEN (wst). Menschen mit HIV-Infektion brauchen eine gute Compliance, damit ihre lebenslang nötige antiretrovirale Therapie auf Dauer erfolgreich ist. Eine solche Therapie-Adhärenz erfordert intensive Schulungen und ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten.

Veröffentlicht:

Selbst wenn verordnete Medikamente im Schnitt zu 90 Prozent korrekt eingenommen werden, ist langfristig bereits bei über 50 Prozent der Patienten mit einem virologischen Versagen der Therapie zu rechnen. Das heißt, die HIV-Menge im Blut steigt dann wieder. Darauf wies Dr. Annette Haberl vom HIV-Center der Uni Frankfurt/Main bei der "2. Münchner AIDS-Werkstatt" hin. Steigt die durchschnittliche Adhärenz dagegen auf über 95 Prozent an, sinkt die Rate virologischen Versagens auf knapp 22 Prozent, so das weitere Ergebnis einer von Haberl zitierten Studie (Ann Intern Med 133, 2000, 21).

Um die regelgerechte Medikamenteneinnahme zu sichern, seien Kontrollmaßnahmennicht ausreichend zuverlässig, so Haberl. So wird etwa bei Tablettenschachteln mit elektronischer Kontrolle zwar die korrekte Entnahme, aber nicht die korrekte Einnahme überwacht. Mit Wirkspiegelbestimmungen lasse sich immer nur ein kurzer Abschnitt der Therapie überblicken. Und ob ein Patient wirklich macht, was er ins Therapietagebuch einträgt, ist bei mangelndem Vertrauen fraglich.

Haberl betonte, dass außer einer umfassenden und individuell verständlichen Patientenschulung Therapeuten ein Vertrauensverhältnis zum Patienten aufbauen müssten. Dann könne ein Patient, der mit einer Therapie unzufrieden ist oder schlecht mit ihr zurechtkommt, das umgehend sagen, statt die Therapie selbst zu ändern.

Gemeinsam kann dann nach Strategien gesucht werden. Dabei wird eine nicht optimale Therapie, die der Patient aber gut annimmt, letztlich oft effektiver sein als eine Leitlinien-gerechte Therapie, die der Patient ablehnt. Außer einer guten Verträglichkeit kommt erfahrungsgemäß eine möglichst geringe Menge an Tabletten - am besten einmal täglich -, einer optimalen Adhärenz entgegen.

Mehr zum Thema

Besonderes Augenmerk auf HBV

HIV und Impfungen: Was beachten, was testen?

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sie fragen – Experten antworten

Alle Diabetes-Patienten gegen Herpes zoster impfen?

Euglykämische diabetische Ketoazidose

Kasuistik: Seltene Nebenwirkung unter SGLT2-Hemmern

Lesetipps
Illustration eines molekularen Modells von Messenger RNA.

© Dr_Microbe / Getty Images / iStock

Personalisierte mRNA-Therapien

Verheißungsvolle RNA-Krebsimpfstoffe: Wo steht die Forschung gerade?

Ein Mann niest und putzt sich die Nase.

© Dragana Gordic / stock.adobe.com

Kasuistik

Plötzliche Niesanfälle bringen Mann in Lebensgefahr

Auch 2024 war die Sterblichkeit durch Herzerkrankungen in Deutschland insgesamt erneut leicht rückläufig

© Rosi / stock.adobe.com / Generated with AI

Herzbericht 2026

Das sind die aktuellen Trends in der Herzmedizin