Direkt zum Inhaltsbereich

Alpha-Synuclein

Hautbiopsie weist Parkinson nach

Mit einer Hautbiopsie lässt sich offenbar gut zwischen Morbus Parkinson und anderen neuromotorischen Krankheiten unterscheiden. So sind krankheitstypische Lewy-Körperchen auch in peripheren Nervenfasern nachweisbar. Sie enthalten Alpha-Synuclein-Ablagerungen als Marker.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Eine Biopsie wird ausgewertet: Alpha-Synuclein in peripheren Nerven scheint sehr spezifisch für idiopathischen Morbus Parkinson zu sein.

Eine Biopsie wird ausgewertet: Alpha-Synuclein in peripheren Nerven scheint sehr spezifisch für idiopathischen Morbus Parkinson zu sein.

© Anna Ivanova / iStock

ISTANBUL. Alpha-Synuclein-Ablagerungen, wie sie für Patienten mit Morbus Parkinson typisch sind, wurden inzwischen nicht nur im Gehirn, sondern auch in vielen anderen Organen entdeckt, etwa in den Nervenfasern im Darm oder in der Haut.

Solche Ablagerungen sind nicht nur diagnostisch interessant, sondern möglicherweise auch die Ursache für eine Reihe nichtmotorischer Symptome wie Verstopfung, orthostatische Hypotonie und Neuropathien.

Ergebnisse einer Gruppe von Wissenschaftlern um Dr. Rocco Liguori aus Bologna deuten nun darauf hin, dass bei vielen Patienten mit Morbus Parkinson in der Tat die periphere Faserdichte verändert ist und sich bei praktisch allen Patienten Alpha-Synuclein-Ablagerungen in der Haut nachweisen lassen.

Die Daten wurden jüngst beim europäischen Neurologenkongress (EFNS/ENS Joint Congress of European Neurology) in Istanbul vorgestellt.

Die Forscher hatten für ihre Studie 21 gut charakterisierte Patienten mit Morbus Parkinson untersucht: Die Studienteilnehmer sprachen gut auf eine Behandlung mit L-Dopa an und die Diagnose wurde durch die kardiale SPECT-Szintigrafie unterstützt - mit dieser Technik lässt sich der kardiale Abbau von sympathischen Nervenfasern zeigen.

Nervenfaser-Dichte untersucht

Zusätzlich untersuchten die Neurologen eine Kontrollgruppe mit 30 gesunden Probanden sowie 20 Teilnehmer mit Parkinsonismus, bei denen keine Alpha-Synucleinopathie vermutet wurde. Dazu zählten Patienten mit Mutationen im Parkin-Gen, mit Tauopathien oder vaskulärem Parkinsonsyndrom.

Per Doppel-Immunfluoreszenzfärbung schauten sich die Wissenschaftler nun zum einen die Dichte der Nervenfasern in Hautproben von Oberschenkel, Nacken und Beinen an, zum anderen suchten sie in den Fasern nach phosphorylierten Alpha-Synuclein-Agglomeraten.

Die Forscher fanden vor allem in den Beinen Zeichen einer SmallFiber-Neuropathie, bei der es zu einer isolierten Schädigung der kleinen dünn-myelinisierten A-Delta- und unmyelinisierten C-Fasern kommt. Diese Schädigung kann zu brennenden Schmerzen und fehlerhaftem Temperaturempfinden führen.

Bei Patienten mit idiopathischem Morbus Parkinson war nach Angaben der Forscher die Dichte solcher Nervenfasern deutlich geringer als bei den Gesunden oder denjenigen mit Parkinsonismus.

Zudem zeigten sich in vielen der Fasern bei Parkinsonpatienten Alpha-Synuclein-Ablagerungen - je mehr, umso geringer war die Faserdichte. Die Neuropathie scheint also mit dem Ausmaß der Ablagerungen zu korrelieren. Große Nervenfasern waren jedoch nicht betroffen.

Alle Hautproben vom Nacken positiv

Die Ablagerungen wurden jedoch nur bei einem Fünftel der Parkinsonpatienten in den Beinen entdeckt, waren aber bei allen Betroffenen in den Nackenproben präsent. Dagegen ließ sich Alpha-Synuclein in keiner einzigen Probe aus den beiden Kontrollgruppen nachweisen.

Der Nachweis des Proteins in peripheren Nervenfasern scheint also sehr spezifisch für idiopathischen Morbus Parkinson zu sein, umgekehrt lässt sich bei negativen Nackenproben die Krankheit mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen.

Sensitivität und Spezifität wären demnach sehr hoch, was nun in größeren Untersuchungen bestätigt werden müsste.

Alpha-Synuclein-Ablagerungen gelten sind ein charakteristischer Marker für Morbus Parkinson und sind ein Bestandteil der Lewy-Körperchen. Die Protein-Aggregate wandern über Synapsen in Nachbar-Neurone und induzieren auch dort eine Verklumpung. Auf diese Weise breiten sie sich über das Gehirn aus.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Neue Verordnung

Parkinson durch Pestizide als Berufskrankheit eingestuft

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Jurist im Interview

Es droht ein Strafverfahren? Mit diesen Tipps sind Ärztinnen und Ärzte gerüstet

Lesetipps
Das Wort oder die Wortgruppe „Betablocker“ im Wörterbuch.

© sharafmaksumov / stock.adobe.com

REBOOT-Studie

Betablocker nach Herzinfarkt oft überflüssig

Ein Mann inhaliert

© Angelov / Stock.adobe.com

Fünf Säulen der Behandlung

COPD: Das empfiehlt die aktualisierte Leitlinie