Herztransplantation

Heart Box kühlt und „beatmet“ Spenderherzen beim Transport

Damit Spenderherzen auf dem Weg zum Empfänger weniger Schaden nehmen und länger transportiert werden können, testen Berliner Ärzte ein neues System zur Konservierung.

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Die geöffnete „Heart Box“. Das Spenderherz befindet sich unter der grünen Abdeckung. Die Box enthält im Wesentlichen ein Kühlsystem, eine Kreislaufpumpe und einen Oxygenator, der das Herz mit Sauerstoff versorgt.

Die geöffnete „Heart Box“. Das Spenderherz befindet sich unter der grünen Abdeckung. Die Box enthält im Wesentlichen ein Kühlsystem, eine Kreislaufpumpe und einen Oxygenator, der das Herz mit Sauerstoff versorgt.

© Deutsches Herzzentrum Berlin

Berlin. Ein neues System zur Konservierung von Spenderherzen setzt das Deutsche Herzzentrum Berlin ein. Dabei wird das Organ während des Transports über eine Pumpe mit einer speziellen Nähr- und Konservierungsflüssigkeit versorgt. Die neue Technik soll eine noch bessere Funktion der Spenderorgane sowie wesentlich längere Transporte ermöglichen, teilt das Zentrum mit.

Als Teil einer Zulassungsstudie kommt das System nun mit menschlichen Herzen im Deutschen Herzzentrum Berlin zum Einsatz, nachdem es bei Tierversuchen sehr gute Ergebnisse gegeben habe. Das Zentrum geht davon aus, dass die Bestätigung der Leistungsfähigkeit dieses Systems für die Transplantationsmedizin erhebliche Folgen hätte.

Möglichst kurze Ischämiezeit

Das System zielt darauf ab, die Ischämiezeit zu verkürzen, also die Zeit, in der das Spenderorgan auf dem Weg zum Empfänger nicht durchblutet wird. Diese Zeit ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg einer Herztransplantation, denn von allen Organen, die von Verstorbenen zur Spende entnommen werden können, nimmt das Herz am schnellsten Schaden, erinnert das Herzzentrum.

Bislang würden Spenderherzen meist mit einer etwa vier Grad Celsius kalten, konservierenden Lösung durchspült und in Kühlboxen transportiert. So können Gewebeschäden zunächst weitgehend zuverlässig vermieden werden. Dennoch sollte die Ischämiezeit bei Spenderherzen möglichst nicht mehr als vier Stunden betragen.

Die Möglichkeiten bei der Auswahl eines passenden Organs für Menschen auf der Warteliste seien damit entsprechend eingeschränkt, heißt es in der Mitteilung des Herzzentrums.

Herz im Umzugskarton

Das neue System stammt aus Schweden, hat den Namen „XVIVO Heart Box“, wiegt etwa 25 kg und ist etwas größer als ein Umzugskarton. Es enthält im Wesentlichen ein Kühlsystem, eine Kreislaufpumpe und einen Oxygenator, der das Herz mit Sauerstoff versorgt.

Die Nähr- und Konservierungslösung, die im Gerät zirkuliert, besteht unter anderem aus Erythrozyten, verschiedenen Hormonen, Proteinen und Humanalbumin. Dieses Protein dient in menschlichem Blut sowohl als „Transporter“ für Hormone als auch als Regulator für den osmotischen Druck.

Nach der Entnahme aus dem Körper des Spenders wird das Herz zunächst an die Kreislaufpumpe in der „Heart Box“ angeschlossen und dann in der Nähr- und Konservierungslösung schwimmend gelagert.

Über die Pumpe in der „Heart Box“ wird das Herz während des Transports fortlaufend mit der Lösung durchspült. Dabei werden die Herzmuskelzellen über den Oxygenator in der „Heart Box“ fortlaufend mit frischem Sauerstoff versorgt. Der Kreislauf wird zur zusätzlichen Konservierung des Organs auf konstant acht Grad Celsius gekühlt.

Im Tierversuch habe die „Heart Box“ ihre Funktionsfähigkeit bereits unter Beweis gestellt, erläutert Herzchirurg Dr. Felix Hennig, der die Studie am Herzzentrum koordiniert: „Schweineherzen nehmen außerhalb des Körpers noch schneller Schaden als Menschenherzen, dennoch war selbst nach 24-stündigem Einsatz keinerlei Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit zu erkennen.“

Mehr Transplantationen möglich?

Der erste Einsatz mit einem menschlichen Herz am Deutschen Herzzentrum Berlin war aus Sicht der Ärzte ein voller Erfolg: Das Herz habe nach der Transplantation in einen 65-jährigen Berliner eine ausgezeichnete Funktionsfähigkeit. Der Patient erhole sich gut.

An der Studie, die den Einsatz der „Heart Box“ bei menschlichen Herzen untersuchen soll, beteiligen sich außer dem Herzzentrum Berlin acht weitere Zentren. Sie sei auf mehr als 200 Einsätze ausgelegt und randomisiert, der Einsatz der „Heart Box“ erfolge also nach dem Zufallsfaktor, heißt es in der Mitteilung.

Wenn es mit der „Heart Box“ gelingt, deutlich längere Transportzeiten ohne Schädigung des Spenderorgans zu ermöglichen, ließe sich die Zahl der infrage kommenden Spenderorgane für Patienten, die auf ein Herz warten, deutlich erhöhen, hofft Professor Christoph Knosalla, chirurgischer Leiter des Transplantationsprogramms am Herzzentrum.

„Außerdem könnten wir Organe akzeptieren, die wir heute ablehnen müssen, da sie auch kürzere Transporte ohne Sauerstoffversorgung aufgrund verschiedener Faktoren nicht schadlos überstehen würden.“ (eb)

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