Diabetes mellitus

Herzinfarkt- und Sterberate reduziert

Reduziert eine normnahe Blutzucker-Einstellung auch makrovaskuläre Komplikationen? Drei im Juni beim amerikanischen Diabeteskongress präsentierte Studien ließen daran Zweifel aufkommen. Beim europäischen Diabeteskongress zeigten Daten der UKPDS-Studie dann aber: Blutzuckersenkung reduziert - verzögert - Herzinfarkt- und Sterberate.

Veröffentlicht: 14.11.2008, 05:00 Uhr

UKPDS lieferte vor zehn Jahren den definitiven Beweis dafür, dass eine intensivere Blutzuckersenkung mit Sulfonylharnstoffen und Insulin im Vergleich zu einer konventionellen Therapie (Diät, Bewegungstraining) die Rate mikrovaskulärer Diabeteskomplikationen bei Typ-2-Diabetes signifikant reduziert.

Den Beweis, dass diese Therapie auch makrovaskulären Ereignissen wie Myokardinfarkt wirksam vorbeugt, blieb die Studie schuldig. Erfolgreicher war in dieser Hinsicht die Therapie mit Metformin bei den übergewichtigen Studienteilnehmern: Sie reduzierte signifikant auch die Rate für Herzinfarkte (um 39 Prozent) und Gesamtsterberate (um 36 Prozent).

Nach Ende der Interventionsstudie im Jahr 1997 setzten die britischen Forscher das UKPD-Projekt fort, diesmal als reine Beobachtungsstudie. Folge war, dass die zuvor aufrecht erhaltenen Unterschiede zwischen beiden Studiengruppen bezüglich Art der Therapie und Intensität der Blutzuckersenkung in kurzer Zeit verschwanden.

Doch trotz Angleichung der Blutzuckerwerte blieben Unterschiede an Spätkomplikationen, die aus der zurückliegenden zehnjährigen Interventionsphase resultierten, auch in der zehnjährigen Folgeperiode weiter bestehen. Auch in dieser Phase war in der zuvor mit Insulin und Sulfonylharnstoff behandelten Gruppe die Rate mikrovaskulärer Ereignisse konstant niedriger als in der Vergleichsgruppe.

Die eigentliche Überraschung: Am Ende der Studienverlängerung hatte die intensivere Blutzuckersenkung - anders als am Ende der vorangegangenen Interventionsphase - deutliche Spuren auch bei den makrovaskulären Ereignissen hinterlassen. Die Herzinfarktrate war signifikant um relative 15 Prozent niedriger als in der konventionell behandelten Gruppe. Auch bei der Gesamtsterberate, die um 13 Prozent niedriger war, bestand ein signifikanter Unterschied zugunsten der intensiveren Blutzuckersenkung.

Die neuen UKPDS-Daten stehen in Kontrast zu den im Juni beim amerikanischen Diabetologenkongress präsentierten Ergebnissen dreier großer Studien (ACCORD, ADVANCE, VADT) mit insgesamt mehr als 23 000 Typ-2-Diabetikern. In keiner dieser Studien hatte eine antidiabetische Therapie, die den HbA1c-Wert annähernd auf das für Nicht-Diabetiker geltende Normalniveau zu senken versuchte, im Vergleich zur Standardtherapie eine präventive Wirkung auf makrovaskuläre Ereignisse.

Grund für die konträren Ergebnisse könnten Unterschiede zwischen den Patientenpopulationen sein. Die Patienten in den drei Studien hatten zu Beginn eine bereits seit acht bis zehn Jahren bestehende Diabeteserkrankung. In UKPDS sind dagegen Patienten mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes aufgenommen worden. Aus den positiven Langzeitergebnissen folgern die UKPD-Autoren, dass intensive Blutzuckersenkung frühestmöglich gestartet werden muss, um langfristig kardiovaskulären Ereignissen vorzubeugen.

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) konstatiert in ihren aktualisierten Leitlinien, dass "eine Absenkung des HbA1c auf 6,5 Prozent im Vergleich zu einem Zielwert von 7 Prozent für Patienten vorteilhaft sein kann". Dies gelte aber nur unter der Voraussetzung, dass Hypoglykämien (insbesondere schwere) weitgehend vermieden werden, die Therapie nicht zu einer wesentlichen Zunahme des Gewichtes führt und auf wenig geprüfte Mehrfachkombinationen oraler Antidiabetika (mehr als zwei) besonders bei Gabe von Insulin verzichtet wird. (ob)

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