Häufig unentdeckt

Herzschwäche bei Betagten

Störungen der linksventrikulären Funktion sind bei sehr alten Menschen anscheinend häufiger, als es Zahlen aus Studien bisher vermuten ließen. Obwohl häufig mit Symptomen verbunden, bleiben diese Funktionsstörungen bei vielen Betroffenen unentdeckt.

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Blick auf das EKG: Bei vielen Älteren bleibt Herzschwäche unerkannt.

Blick auf das EKG: Bei vielen Älteren bleibt Herzschwäche unerkannt.

© Sandor Kacso / fotolia.com

NEWCASTLE UPON TYNE (ob). Bei jedem Zweiten von insgesamt 376 Teilnehmern, die alle zwischen 87 und 89 Jahre alt waren, fanden Forscher der Universität Newcastle in ihrer Studie (Newcastle 85+ Study) deutliche Anzeichen für eine linksventrikuläre Dysfunktion (Heart 2012, online am 2. August).

So stellten sie bei 32 Prozent aller Untersuchten echokardiografisch eine systolische Dysfunktion (Auswurffraktion = 50 Prozent) fest.

Eine ausgeprägte systolische Funktionsstörung (Auswurffraktion = 40 Prozent) bestand bei 10 Prozent aller untersuchten Senioren.

Bei weiteren 20 Prozent aller Teilnehmer war eine mittelschwere bis schwere Störung der diastolischen linksventrikulären Funktion nachweisbar.

Diese überraschend hohe Prävalenz der linksventrikulären Dysfunktion - frühere Studien ergaben niedrigere Zahlen - könnte nach Ansicht der Forschergruppe um Dr. Bernard Keavney auf das hohe Alter der untersuchten Personen, aber auch auf die besondere Untersuchungsstrategie zurückzuführen sein.

Denn die betagten Studienteilnehmer mussten nicht die Mühe eines Klinikbesuchs auf sich nehmen, was zu einer "verzerrenden" Selektion von relativ gesunden Alten hätte führen können.

Statt dessen begaben sich die Untersucher zu ihren Studienteilnehmern nach Hause oder ins Alten- oder Pflegeheim, wo die kardiologische Untersuchung vor Ort mithilfe eines mobilen Echokardiografie-Gerätes durchgeführt wurde.

Bei der Mehrzahl der Teilnehmer konnten auch verwertbare Angaben zum Dyspnoe-Status erhoben werden.

Dabei zeigte sich, dass bei 62 Prozent aller Personen mit objektivierbarer linksventrikulärer Dysfunktion zugleich eine Belastungsdyspnoe bestand; der Anteil war bei systolischer und diastolischer Funktionsstörung nahezu gleich.

Was zu denken gibt: Bei 84 Prozent aller Personen mit nachgewiesener linksventrikulärer Dysfunktion und gleichzeitiger Belastungsdyspnoe fehlte in den hausärztlichen Krankenunterlagen jeglicher Hinweis darauf, dass bei ihnen zuvor die Diagnose Herzinsuffizienz gestellt worden war.

Zwar war bei 10 Prozent aller Teilnehmer eine Herzinsuffizienz schon vor Studienbeginn diagnostiziert worden.

Die diagnostische Treffsicherheit ließ dabei allerdings zu wünschen übrig: Denn bei etwas mehr als einem Drittel aller Personen mit dieser Diagnose konnte eine linksventrikuläre systolische oder diastolische Dysfunktion bei der Herzecho-Untersuchung nicht bestätigt werden.

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