Hinweis auf längeres Leben mit Ginkgo

BORDEAUX (mut). Eine Kohortenstudie liefert jetzt ein überraschendes Ergebnis: Menschen, die Ginkgo-biloba-Extrakt gegen Gedächtnisstörungen einnehmen, leben länger als andere. Möglicherweise lässt sich mit der Arznei auch das Demenzrisiko senken.

Veröffentlicht:
Beratung beim Arzt: Alte Menschen wünschen sich gegen Gedächtnisstörungen häufig ein Phytopharmakon.

Beratung beim Arzt: Alte Menschen wünschen sich gegen Gedächtnisstörungen häufig ein Phytopharmakon.

© Foto: Klaro

Zu diesem Schluss kommen französische Forscher aus Bordeaux. Sie hatten für ihre Analyse Daten der PAQUID*-Studie von über 3500 Teilnehmern ausgewertet. In der noch laufenden prospektiven Kohortenstudie werden die Teilnehmer alle zwei Jahre auf eine Demenz überprüft, zudem werden Daten zur Medikation erhoben. Die Teilnehmer waren zu Beginn alle über 65 Jahre alt und hatten keine Demenz. Die Beobachtungszeit liegt mittlerweile bei 13 Jahren.

Die Ergebnisse: Insgesamt nahmen zu Beginn 225 Teilnehmer (6,4 Prozent) regelmäßig ein Ginkgo-Präparat ein (Spezialextrakt EGb 761®, in Deutschland als Tebonin® erhältlich). 888 Teilnehmer (25 Prozent) nahmen andere Medikamente gegen Gedächtnisstörungen, etwa synthetische Vasodilatatoren und Nootropika. Insgesamt starben mehr als die Hälfte der Teilnehmer im Beobachtungszeitraum (53 Prozent), knapp 18 Prozent der Teilnehmer entwickelten eine Demenz. Wurden Faktoren wie Alter, Geschlecht oder chronische Krankheiten berücksichtigt, ergab sich für Ginkgo keine signifikant erhöhte Demenzrate. Dies ist erstaunlich, denn eigentlich ist eine erhöhte Demenzrate bei Menschen zu erwarten, die bereits kognitive Probleme haben und deswegen Medikamente gegen Gedächtnisstörungen einnehmen, berichten die Studienautoren. Genau dies wurde bei Menschen beobachtet, die andere Medikamente gegen Gedächtnisstörungen einnahmen: Im Vergleich zu Menschen ohne solche Medikation war die Demenzrate bei ihnen um 35 Prozent erhöht. Dass die Demenzrate mit Ginkgo nicht höher als ohne Medikation war, könnte auf einen positiven Effekt der Medikation deuten.

Unterschiede gab es auch bei der Sterberate. Sie war nach Berücksichtigung von Begleitfaktoren bei Menschen mit Ginkgo signifikant um 24 Prozent niedriger, bei anderen Medikamenten gegen Gedächtnisstörungen war sie dagegen ähnlich hoch wie bei Teilnehmern ohne Medikation (JAGS 55, 2007, 395).

Ob Ginkgo tatsächlich hilft, das Leben zu verlängern oder das Demenzrisiko zu senken, müsse nun in kontrollierten Interventionsstudien geprüft werden, so die Studienautoren. Da der Anteil der Ginkgo-Konsumenten in der Studie recht klein war, könnten auch andere Faktoren zu dem Ergebnis beigetragen haben. Derzeit wird der Ginkgo-Extrakt EGb 761® bei über 5800 älteren Menschen in Langzeitstudien geprüft. Ergebnisse werden ab 2010 erwartet.

PAQUID*: Personnes Agées Quid

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Praxisfall im Podcast: Atemwegsinfekt

© Bionorica SE

Phytoneering-Akademie

Praxisfall im Podcast: Atemwegsinfekt

Anzeige | Bionorica SE
Antibiotika – Fluch und Segen

© Bionorica SE

Podcast

Antibiotika – Fluch und Segen

Anzeige | Bionorica SE
Brauchen wir noch Antibiotika?

© deepblue4you | iStock

Content Hub

Brauchen wir noch Antibiotika?

Anzeige | Bionorica SE
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

KI verweigert Assistenz beim Suizid

Fallbeispiel: ChatGPT empfahl ärztliche Hilfe bei Psychose

Team- und Patientenschutz

Hygieneplan für die Praxis – was zählt!

Interview

Wie die hausärztliche Nachsorge onkologischer Patienten gelingen kann

Lesetipps
Männer spielen Beachvolleyball

© LuneVA/peopleimages.com / stock.adobe.com

Interview mit Physiotherapeutin

Bewegung bei Nackenschmerzen: Welcher Sport ist der richtige?

Illustration eines Kolonkarzinoms

© Sebastian Kaulitzki - stock.adobe.com

Stiftung Lebensblicke

Darmkrebs bei jungen Menschen: Entwarnung für Deutschland