Gehörlosigkeit

Hörprothese möglichst beidseitig

Bei angeborener Gehörlosigkeit sollten möglichst gleichzeitig beide Ohren mit Cochlea-Implantaten versehen werden.

Veröffentlicht: 27.12.2012, 07:17 Uhr
Professor Dr. Andrej Kral hält eine so genannte Neuronexus-Multielektrode in der Hand, mit der er und sein Team Messungen von elektrischen Signalen im Gehirn machen.

Professor Dr. Andrej Kral hält eine so genannte Neuronexus-Multielektrode in der Hand, mit der er und sein Team Messungen von elektrischen Signalen im Gehirn machen.

© Kaiser / MHH

HANNOVER. Gehörlose Kinder, deren Hörnerv noch funktioniert, können mit einem Cochlea-Implantat (CI) versorgt werden. Häufig geschieht das nur an einem Ohr.

Kinder, bei denen später in das zweite Ohr eine solche Hörprothese implantiert wird, verstehen über dieses Ohr Sprache schlechter.

Welche neuronalen Prozesse dafür verantwortlich sind, haben jetzt Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in Kooperation mit Wissenschaftlern der Goethe Universität Frankfurt am Main aufgeklärt.

Das Team um Professor Dr. Dr. med. Andrej Kral, Direktor des Instituts für Audioneurotechnologie und der Abteilung für Experimentelle Otologie der MHH-Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (HNO-Klinik), beobachtete Folgendes an gehörlosen Tieren.

Das erste Ohr, das ein Cochlea-Implantat erhielt, nimmt die Teile des Hörsystems im Gehirn in Anspruch, die normalerweise für das andere Ohr zuständig sind. So entstehen ein funktional "stärkeres" und ein "schwächeres" Ohr.

"Die Übernahme war umso umfangreicher, je früher nach der Geburt die erste Implantation erfolgte. Es zeigte sich also eine sensible Phase für diese Veränderung. Folglich sollte man bei angeborener Gehörlosigkeit möglichst gleichzeitig beide Ohren mit je einem Cochlea-Implantat versehen", wird Kral in einer Mitteilung der MHH zitiert.

Bei allen Tieren konnte das "schwächere" Ohr immer noch das Hörsystem im Gehirn etwas aktivieren. "In dieser Situation könnte also ein isoliertes Training am ‚schwächeren' Ohr zu einer Verbesserung des Sprachverständnis führen", erläutert Kral.

Dieser Befund stünde im Unterschied zur einseitigen Sehschwäche, die zur kompletten Blindheit am schwächeren Auge führen könne. Das Projekt der Hörforscher unterstützt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

Die Befunde werden an der HNO-Klinik der MHH bei Kindern auch klinisch bestätigt: Sequenziell implantierte Kinder zeigen ein schlechteres Sprachverständnis beim später implantierten Ohr, so das gehörlose Kinder an der HNO-Klinik der MHH in der Regel beidseitig implantiert werden. (eb)

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