Im Hirn-MRT hinterlässt jedes Virus andere Spuren

Nur bei etwa der Hälfte der Patienten mit akuter Virus- Meningoenzephalitis gelingt es, den Erreger aufzuspüren. Diese Rate kann ein MRT verbessern: Manche Viren sorgen für ein typisches Muster der Entzündungsherde.

Veröffentlicht:

BAD HOMBURG (ner). Temporale Marklagerläsionen könnten etwa auf eine Herpes-simplex-Virusenzephalitis deuten, ein asymmetrischer Stammganglienbefall auf Arboviren, die etwa FSME oder Japanisches Enzephalitis verursachen.

Darauf hat Professor Erich Schmutzhard aus Innsbruck hingewiesen. Bei der Enterovirus-71-Enzephalitis erkenne man in der T2-Gewichtung hyperintense Läsionen im Nucleus dentatus des Zerebellums sowie im Hirnstamm, so Schmutzhard beim ANIM-Kongress in Bad Homburg. Bei progressiver multifokaler Leukozytenenzephalopathie (PML) sind multiple Marklagerläsionen zu erkennen.

Liquorbefunde sind bei akuter Meningoenzephalitis relativ typisch, aber differenzialdiagnostisch unspezifisch. Der mikrobiologische Erregernachweis gelingt bei weniger als der Hälfte der Patienten, etwa direkt mit dem Nachweis viraler DNA oder RNA per Polymerasekettenreaktion (PCR) aus nicht zentrifugiertem Liquor sowie per Antigen- oder Antikörper-Nachweis im Liquor.

Allerdings entwickeln sich intrathekale Antikörper meist erst zum Ende der ersten Erkrankungswoche. Zudem findet in der Spätphase neuroviraler Erkrankungen eine Antikörper-Produktion statt, die im klinischen Alltag gelegentlich zur Fehldiagnose einer ZNS-Infektion führt.

Schmutzhard empfahl, bei akuten und sich subakut entwickelnden ZNS-Prozessen bei folgenden Konstellationen an eine Virus-Erkrankung zu denken:

  • bei bekannten Viruserkrankungen in der Umgebung (Mumps, Varizellen, Polio),
  • bei gastrointestinalen Symptomen, da Enterovirus-Erkrankungen die häufigste Ursache einer viralen Meningoenzephalitis sind, bei vorangegangenen grippeartigen Symptomen - dies kann auf HSV hinweisen,
  • bei Insektenstich oder Tierbissen - hier richtet sich der Verdacht auf FSME und Tollwut,
  • bei einer Behandlung mit Blut oder Blutprodukten,
  • bei Immunsuppression, etwa nach Organtransplantation oder Chemotherapie.
Mehr zum Thema

Empfehlung des CHMP

Mpox: Anwendung von Tecovirimat wird eingeschränkt

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Autopsiestudie

So häufig wird der Krebs erst nach dem Tod erkannt

Lesetipps
Schulterschmerzen? Im höheren Alter ist die Polymyalgia rheumatica nach der Rheumatoiden Arthritis die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© peopleimages.com / stock.adobe.com

Praxistipps

Schulterschmerzen: Die vertrackte, ärztliche Spurensuche