Krank durch Sex

Immer mehr Deutsche haben Syphilis

Syphilis schien in Deutschland weitgehend verschwunden - doch seit einigen Jahren breitet sich die Geschlechtskrankheit wieder aus.

Veröffentlicht: 11.12.2015, 12:30 Uhr

BERLIN. Sie gilt als "Chamäleon" unter den sexuell übertragbaren Krankheiten: Weil die Symptome der Syphilis oft weder sichtbar noch schmerzhaft sind, bleibt die Bakterieninfektion zunächst häufig unentdeckt.

Umso deutlicher wird die Situation beim Blick auf die Zahl gemeldeter Syphilis-Fälle: 2014 stieg sie auf einen neuen Höchstwert von 5722 Neudiagnosen, wie das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin mitteilte (Epidemiol Bulletin 2015; 49: 515). Demnach gibt es seit 2010 einen kontinuierliche Anstieg - und auch im ersten Halbjahr 2015 hielt der Trend an.

Vorrangig ist die Krankheit in der Homosexuellen-Szene präsent. Bei Frauen und heterosexueller Übertragung blieben die Zahlen unauffällig. 84 Prozent der Fälle gehen nach den RKI-Daten vermutlich auf einen sexuellen Kontakt zwischen Männern zurück.

Faktor Großstadt

Hinzu kommt der Faktor Großstadt: Berlin liegt bei den Fallzahlen bundesweit klar vorn. Die Rate der Neuerkrankungen lag dort 2014 bei 31 Fällen je 100.000 Einwohner.

In der Hauptstadt erkranken damit ins Verhältnis zur Einwohnerzahl gesetzt mehr als viermal so viele Menschen wie im bundesweiten Mittel (7,1/100.000). Hamburg steht mit 19,7 Meldungen je 100.000 Einwohner an zweiter Stelle.

Auch außerhalb der Großstädten breitet sich die Bakterieninfektion aus: Knapp ein Drittel der Meldungen stammen laut RKI aus Orten mit weniger als 100.000 Einwohnern.

Ein weiteres Problem bei Syphilis: Nur in etwa einem Drittel der Fälle wurde die Geschlechtskrankheit in einer frühen Phase festgestellt. Mindestens einmal jährlich sollten gefährdete Personen zu einem vorbeugenden Test, rät die Aids-Hilfe.

Den bezahlt die Kasse allerdings nur, wenn Symptome vorhanden sind. Dazu zählen Geschwüre an Penis oder Scheide und Lymphknotenschwellungen, später auch schmerzhafte Hautknötchen sowie Organveränderungen. (dpa/eb)

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