KV-Impfsurveillance

Impflücken bleiben

Bei den Zielvorgaben zur Masern und Grippe-Impfung hinkt Deutschland immer noch hinterher. Das ist ein Ergebnis der aktuellen KV-Impfsurveillance.

Veröffentlicht: 08.01.2018, 05:02 Uhr
Impflücken bleiben

Lücken im Pass? Auch bei der saisonalen Influenza-Impfung liegt Deutschland deutlich unter den Zielvorgaben.

© [M] emeraldphoto / stockadobe.com

BERLIN. Zu späte Impfungen im Kindesalter, zu wenige Impfungen im Jugend- und Erwachsenenalter und große regionale Unterschiede bei den Impfquoten – diese drei Hauptproblemfelder sieht das Robert Koch-Institut (RKI) im Hinblick auf die neuen Daten aus der KV-Impfsurveillance (Epi Bull 2018; 1:1-13).

Demnach wurde etwa die im Nationalen Aktionsplan zur Elimination der Masern geforderte Impfquote für 15 Monate alte Kleinkinder von über 95 Prozent mit einer Impfdosis bisher nicht erreicht. Sie betrug für den Geburtsjahrgang 2014 etwa 90 Prozent. Immerhin ist sie aber im Vergleich zum Geburtsjahrgang 2004 gestiegen: Zu der Zeit hatten nur etwa 72 Prozent der Kinder im Alter von 15 Monaten ihre erste Masernimpfung erhalten.

Auch bei der saisonalen Influenza-Impfung liege Deutschland deutlich unter den Zielvorgaben. Seit der Saison 2012/3 wurde sie nur noch von gut einem Drittel der Personen ab 60 Jahren in Anspruch genommen, so das RKI. Die Zielvorgaben der Europäischen Union, nach denen bis 2015 in allen Mitgliedsstaaten 75 Prozent der älteren Menschen gegen Influenza geimpft sein sollen, werde bisher von keinem einzigen Bundesland annähernd erreicht.

Die Impfquoten für die HPV-Impfung bei Mädchen seien in den vergangenen Jahren leicht angestiegen, jedoch weiterhin auf niedrigem Niveau. So waren unter den 15-Jährigen im Jahr 2015 rund 31 Prozent vollständig geimpft.

Auch die Zahl der gegen Rotavirus geimpften Kinder sei nur gering angestiegen: 68,3 Prozent der Kinder des Geburtsjahrgangs 2015 waren vollständig gegen Rotaviren geimpft, im Vergleich zum Jahrgang 2014 waren dies 1,6 Prozentpunkte mehr. Bei einem nicht unerheblichen Anteil der Kinder (etwa 9 Prozent) wurde mit der Impfung später als empfohlen begonnen. "Dies ist vor dem Hintergrund des zwar sehr geringen jedoch mit dem Alter zunehmenden Risikos für Invaginationen, insbesondere nach erster Impfstoffdosis, kritisch", mahnt das Institut.

Auffällig waren auch große regionale Unterschiede der Impfquoten. Bei der Masernimpfung betrugen sie 25 Prozentpunkte auf Kreisebene, bei der Rotaviren-Impfung sogar bis zu 77 Prozentpunkte. Niedrige Impfquoten – wenn auch nur isoliert auf Kreis- oder Bezirksebene – können verantwortlich für größere Ausbrüche sein, sobald ein hochansteckender Erreger in solche Regionen importiert werde, erinnert das RKI.

Bei der KV-Impfsurveillance werden anonymisierte Abrechnungsdaten der gesetzlich Krankenversicherten, die etwa 85 Prozent der Bevölkerung in Deutschland ausmachen, ausgewertet. (grz)

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