Direkt zum Inhaltsbereich

Kardiologen kritisieren IQWiG-Vorbericht zu Antihypertensiva

MANNHEIM (Rö). Es wäre eine Blamage für das Gesundheitswesen und für die medizinische Wissenschaft in Deutschland, wenn empfohlen würde, die Therapie von Hypertonikern grundsätzlich mit einem Diuretikum anzufangen.

Veröffentlicht:

So hat der Pharmakologe Professor Thomas Eschenhagen den Vorbericht des Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zur antihypertensiven Therapie kommentiert.

Der Vorbericht, der keine aktuelle Konsequenz für die Therapie hat, legt nahe, bei der Monotherapie ein Diuretikum zu bevorzugen. Der Pharmakologe vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf hat beim Kardiologen-Kongress in Mannheim darauf hingewiesen, dass mehr als die Hälfte der Patienten zwei oder mehr Antihypertensiva brauchen.

Außerdem müsse die angebliche Überlegenheit der Diuretika bei der Herzinsuffizienz, eine der zentralen Aussagen des Vorberichtes, relativiert werden, sagte Eschenhagen.

In den Leitlinien stehe seit Jahren, dass Diuretika zwar Mittel der Wahl zur symptomatischen Therapie bei Herzinsuffizienz mit Ödemen seien. Sie sollten aber nicht in frühen Stadien verordnet werden, um das Renin-Angiotensin-System nicht unnötig zu stimulieren. Für die Entscheidung, welche Medikamente verordnet werden, müssten auch weiterhin bestehende kardiovaskuläre Erkrankungen berücksichtigt werden.

Vorhofflimmern, KHK und Herzinsuffizienz seien eindeutige Indikationen für Betablocker. Das gleiche gelte für ACE-Hemmer und AT1-Rezeptor-Antagonisten bei Herzinsuffizienz. Bei den unerwünschten Wirkungen der antihypertensiven Therapie werde der Nachteil der Diuretika mit ihrer erhöhten Diabetes-Inzidenz in dem Vorbericht etwas zu nonchalant behandelt, so Eschenhagen. Das Hypokaliämie-Risiko werde in der Zusammenfassung ganz ausgeblendet.

Wie immer in der Arzneimitteltherapie gelte es im Zweifel, Risiken eher zu vermeiden.

Die Aussage in der Zusammenfassung, dass es keine klaren Unterschiede in Bezug auf unerwünschte Wirkungen der verschiedenen Substanzklassen gebe, müsse revidiert werden, so Eschenhagen.

Letztlich müsse die Entscheidung für das eine oder andere Medikament von den Ärzten individuell getroffen werden. Dabei müssten außer den entscheidenden Erwägungen bei Begleiterkrankungen auch wirtschaftliche Aspekte beachtet werden.

Den IQWiG-Vorbericht gibt es unter: www.iqwig.de/index.388.html

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Anpfiff fürs Herzrasen

Gefährlich emotional: Wenn Fußball aufs Herz geht

Gestationshypertonie und Co.

Bluthochdruck in der Schwangerschaft: So gehen Sie therapeutisch vor

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ältere Frau versucht, sich mit einem Fan abzukühlen.

© solidcolours/Getty Images/iStock

Tipps

Sommerhitze: Das ist wichtig bei älteren Patienten

Eine Hand hält ein

© Sergey Nivens / stock.adobe.com

Jetzt abonnieren

Unsere Newsletter in der Übersicht