Studie

Kaum normale Erektion nach Prostata-Op

Die Prostatektomie schmälert offenbar die Erektionsfähigkeit wohl stärker als angenommen. Das zeigt eine dänische Studie.

Veröffentlicht:

KOPENHAGEN. Einschlägige Subgruppenanalysen einer befragungsgestützten Querschnittsstudie hat der Urologe Mikkel Fode vom Krankenhaus Herlev, Kopenhagen, kürzlich auf der Tagung der European Association of Urology in Madrid vorgestellt.

210 Patienten im Alter von durchschnittlich 65 Jahren wurden dafür vor ihrer Prostatektomie und knapp zwei Jahre später mithilfe des International Index of Erectile Function(IIEF)-5 befragt.

Im postoperativen Interview fügten die Forscher um Fode aber eine Frage ein, die sonst nicht zum Inventar des IIEF-5 gehört: "Ist Ihre Erektionsfunktion so gut wie vor der Operation, ja oder nein?"

Nur 6,7 Prozent der Männer beantworteten diese Frage mit Ja. Bilateral nervenschonende Operationsweise und kardiovaskuläre Gesundheit waren die einzigen signifikanten Prädiktoren dafür, dass nach dem Eingriff der Ausgangsgrad der Erektionsfunktion nach subjektiver Einschätzung wieder erreicht wurde.

Im Standard-IIEF-5 hingegen zeigten 23,3 Prozent der Befragten keinen postoperativen Abfall des Punktwertes.

Häufig sexuelle Probleme nach Prostatakrebschirurgie

Präoperativ hatte der IIEF-5-Wert im Mittel bei 21,7 (von bestmöglichen 25) gelegen, zwei Jahre nach der Prostatektomie betrug er noch 9,9 Punkte. Von den 189 Patienten, die vor der Operation keine Erektionshilfen benötigt hatten, war nach dem Eingriff fast jeder Dritte darauf angewiesen.

"Unsere Arbeit zeigt, dass Erektionen, die nach der Operation so gut sind wie zuvor, ein seltenes Ereignis sind", fasste Fode die Resultate zusammen.

Mehr als 93 Prozent der Männer im Kollektiv hätten nach der Prostatakrebschirurgie einige sexuelle Probleme gehabt.

"Da haben wir wohl früher die falsche Frage gestellt", meinte Fode, verwies aber darauf, dass die Ergebnisse erst noch in größeren Studien bestätigt werden müssten.

Francesco Montorsi, Chef der Urologie an der Università Vita-Salute San Raffaele in Mailand, gab in einem Kommentar das sinkende Durchschnittsalter von Patienten zu bedenken, die sich einer Prostatektomie unterzögen. "Damit wird es immer wichtiger, den Männern ihre Erektionsfähigkeit postoperativ zu erhalten", so Montorsi.

Man müsse von den Problemen der Patienten lernen, genauer auf nervenschonende Techniken achten und dafür sorgen, dass Patienten postoperativ gut versorgt werden. (rb)

Mehr zum Thema
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Leitartikel

GVSG: Zu viele Leerstellen

Verbesserung der Leistungsfähigkeit

Betablockerverzicht bei HFpEF unterschiedlich erfolgversprechend

Lesetipps
Prinzipiell folge aus REDUCE-AMI, so Prof. Dr. Michael Böhm, dass bei Infarktpatienten mit erhaltener Pumpfunktion keine Betablocker mehr gegeben werden müssten. Das gelte, sofern es keinen anderen Grund für Betablocker gebe, konkret tachykardes Vorhofflimmern oder anhaltende Angina.

© shidlovski / stock.adobe.com

Nach der REDUCE-AMI-Studie

Bye-bye für Betablocker nach Herzinfarkt?

Viele Menschen sind adipös. Die Kombination aus Intervallfasten plus Protein-Pacing kann anscheinend neben einer Gewichtsabnahme auch zu einem gesünderen Mikrobiom verhelfen.

© Aunging / stock.adobe.com

Verändertes Mikrobiom

Intervallfasten plus Protein-Pacing lassen die Pfunde purzeln