Umweltmedizin

Keine höheres Fehlbildungsrisiko in der Nähe von Atomkraftwerken

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Atomkraftwerke sind vor allem auch wegen möglicher gesundheitlicher Auswirkungen nicht unumstritten. Zu mehr Fehlbildungen führen sie aber offenbar nicht.

Atomkraftwerke sind vor allem auch wegen möglicher gesundheitlicher Auswirkungen nicht unumstritten. Zu mehr Fehlbildungen führen sie aber offenbar nicht.

© Gabriele Rohde / fotolia.com

SALZGITTER (eb). Wer in der Nähe der AKW-Standorte Biblis und Philippsburg geboren wird, hat kein höheres Risiko einer angeborenen Fehlbildung, teilt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mit. Das ist das Ergebnis einer Studie des Geburtenregisters der Uni Mainz im Auftrag des BfS. Bisher wurde allerdings eine erhöhte Leukämierate diskutiert.

Die aktuelle Studie ermittelte in der Umgebung der genanten Kernkraftwerke die Häufigkeit angeborener Fehlbildungen und verglich die Daten mit der Fehlbildungshäufigkeit in einer Region ohne Kernkraftwerk.

Das BfS hatte bereits die Häufigkeit von Tumoren bei Kindern unter fünf Jahren in der Umgebung aller westdeutschen Kernkraftwerke untersuchen lassen. Dabei zeigte sich, dass im Nahbereich der Reaktoren ein erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen bei Kindern, insbesondere bei Leukämien besteht. Die Ursache dieses Risikos ist allerdings bislang nicht geklärt. Denn nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand kann der beobachtete Anstieg der Erkrankungen nicht allein durch die Strahlenbelastung aus einem Atomkraftwerk erklärt werden.

Parallel dazu wurde in der jetzt vorgestellten Untersuchung der Frage nachgegangen, ob es in der Umgebung von Kernkraftwerken möglicherweise auch ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko gibt. Hierzu wurden im Umkreis von zehn Kilometern um die Reaktoren Biblis und Phillipsburg sowie in einer kernkraftwerksfernen Vergleichsregion alle Geburten und Aborte zwischen November 2006 und Februar 2008 erfasst (prospektive Kohortenstudie). Die Studie umfasste 5273 Kinder und Feten, davon 5218 Lebendgeborene, 30 Totgeborene und 25 induzierte Aborte. Die Lebendgeborenen wurden von speziell geschulten Kinderärzten untersucht. Alle erfassten Fehlbildungen wurden von einem internationalen Expertengremium klassifiziert.

Dabei zeigte sich kein Unterschied in der Häufigkeit angebo-rener Fehlbildungen zwischen der Umgebung der beiden Kernkraftwerksstandorte und der Vergleichsregion. Außerdem zeigte sich auch kein Abstandtrend in der Umgebung der Reaktoren, der auf ein zunehmendes Risiko mit zunehmender Nähe des Wohnorts zu den Reaktoren hinweist. Mit der vorgelegten Studie wurde eine der weltweit umfangreichsten Studien zum Thema Fehlbildungen in der Umgebung von Kernkraftwerken durchgeführt.

Bei nachgelagerten Auswertungen der Daten der Fehlbildungsstudie wurde ein Hinweis gefunden, dass eine Beschäftigung der Mütter als beruflich strahlenexponierte Person im Bereich der Medizin möglicherweise mit einem erhöhten Fehlbildungsrisiko einhergehen könnte. Allerdings beruht dieser Hinweis auf wenigen Einzelfällen. Ob hier ein Zusammenhang zu Strahlenexpositionen oder zu anderen Ursachen im beruflichen Umfeld besteht und ob dieser Zusammenhang in weiteren Studien bestätigt werden kann oder möglicherweise zufällig ist, bedarf der weiteren Klärung. Das BfS werde hierzu weitere Untersuchungen beauftragen.

Der Bericht zur Fehlbildungsstudie steht auf der Internet-Seite des BfS zur Verfügung: www.bfs.de/de/bfs/druck/Ufoplan/Fehlbildungen_in_der_Umgebung_deutscher_Leistungsreaktoren

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