Initiative

"Klug entscheiden" im Fokus

Eine Umfrage der DGIM zu "Klug entscheiden" zeigt: Leitlinien-Wissen kommt beim Arzt oft nicht an.

Veröffentlicht: 11.03.2016, 15:37 Uhr

WIESBADEN/MANNHEIM. Mit ihrer Initiative "Klug entscheiden", identifiziert und benennt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) Über- und Unterversorgung in der Medizin. Die Initiative wird im April beim DGIM-Kongress ein Schwerpunktthema sein. Oft bekämen Patienten medizinische Untersuchungen und Therapien verschrieben, die ihnen nicht nützen oder sogar schaden, erinnert die DGIM in einer Mitteilung. Andere, hilfreiche Methoden kämen dagegen zu selten zum Einsatz.

In einer Onlinebefragung hätten DGIM-Mitglieder Beispiele benannt, warum es in der Praxis dazu kommt. In dieser Umfrage unter rund 4200 Ärzten hätten 70 Prozent der Befragten angegeben, mehrmals pro Woche mit Überversorgung konfrontiert zu sind, berichtet die DGIM. Dass notwendige Leistungen nicht erbracht werden, erlebten rund die Hälfte der Befragten weniger als ein Mal pro Woche, 22 Prozent mehrmals.

Ein Grund: Leitlinien sind oft unverständlich, unübersichtlich und zu lang. "Das legt für uns die Vermutung nahe, dass ein Teil der Fälle von Über- oder Unterversorgung darauf zurückzuführen sind, dass Ärzten die notwendigen Informationen fehlen. Darüber hinaus ist die Sorge vor Behandlungsfehlern bei 80 Prozent der Befragten ein Grund für Überversorgung", wird Professor Gerd Hasenfuß zitiert, der Präsident des DGIM-Kongresses und Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie an der Universitätsmedizin Göttingen.

Die Umfrage bestärke die DGIM darin, für Über- und Unterversorgungen anfällige Leistungen im Rahmen der Initiative "Klug entscheiden" zu benennen. "Die Leitlinien, die aktuelles medizinisches Wissen abbilden, umfassen nicht selten über 150 Seiten und sind damit im Berufsalltag vieler Ärzte nicht geeignet, Informationen zu vermitteln", sagt auch Professor Dr. h.c. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel. Die Fachgesellschaft setze sich daher dafür ein, neue Formen von Leitlinien zu entwickeln. (mal)

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