Direkt zum Inhaltsbereich

Kosteneffektivität der virtuellen Koloskopie ist fraglich

Veröffentlicht:

Die dank hochauflösender Computertomographie und 3D-Rekonstruktion mögliche virtuelle Koloskopie gewinnt zunehmend Anhänger. Sie kann zumindest einem Teil der Betroffenen die unangenehme Darmspiegelung ersparen.

Trotz ihres etwas höheren Komforts hat sich Professor David Liebermann vom Veterans Affairs Medical Center in Portland im US-Bundesstaat Oregon in Berlin kritisch zur virtuellen Koloskopie geäußert. Der Grund: Sie lasse die Kosten des ohnehin nicht billigen Koloskopie-Screenings unnötig in die Höhe schnellen.

Liebermann rechnet folgendermaßen: Außer den Kosten für die virtuelle Koloskopie selbst entstehen bei ihrem Einsatz Zusatzkosten. Zum einen müssen die Koloskopien berechnet werden, die nötig sind, um virtuell aufgespürte Adenome real zu beseitigen. Zum anderen gibt es bei Computertomographien des Abdomens Zufallsbefunde, die dann häufig weiter abgeklärt werden müssen.

Die Frage der Kosteneffizienz einer virtuellen Koloskopie sei vor allem abhängig davon, bei welchem Befund die Indikation für eine reale Koloskopie angesetzt werde. Untersuchungen, die der virtuellen Koloskopie Kosteneffizienz bescheinigten, gingen meist davon aus, daß bei Polypen ab 9 mm Größe eine Koloskopie zur Polypektomie gemacht werde. "Das würde im Rahmen eines Screening-Programms heißen, daß etwa 5 bis 10 Prozent der virtuell Koloskopierten eine echte Koloskopie bekommen", so Liebermann.

Ganz anders sieht es aus, wenn die Grenze bei 5 mm angesetzt wird, was Liebermann für wesentlich realitätsnäher hält. Dann bekäme nämlich schon jeder dritte virtuell gescreente Mensch eine konventionelle Koloskopie. Das sei dann niemals kosteneffizient, so Liebermann in Berlin.

Diffizil wird es bei abdominellen Zufallsbefunden. Es gebe Studien, in denen 60 Prozent der Untersuchten Zufallsbefunde hatten; die meisten der Befunde waren klinisch irrelevant. Wenn nur ein Teil der Patienten mit Zufallsbefunden weiter untersucht würden, schnellen die Kosten der virtuellen Koloskopie weiter in die Höhe.

Auf der anderen Seite wurden in einer großen, kontrollierten Studie zur virtuellen Koloskopie immerhin 4,5 Prozent klinisch hoch-relevante Zufallsbefunde beschrieben. Wird hierbei zum Beispiel ein Nierenkarzinom im Frühstadium entdeckt und rechtzeitig operiert, kann sich dies wiederum kostensparend auswirken. (gvg)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Hepatologie im Wandel

Patienten mit Leberfibrose und -zirrhose bald heilbar?

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

© Springer Medizin Verlag

Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: medac GmbH, Wedel
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Von ungefährlich bis akut lebensbedrohlich

Leitsymptom Dyspnoe: So geht’s rasch zur richtigen Diagnose

Primäre und sekundäre Formen

Immundefekte erkennen: So klappt’s in der Praxis

Lesetipps
Seltene Erkrankungen haben ihren Namen nicht umsonst. Zählt man sie jedoch alle zusammen, so sind es etwa 8.000 Erkrankungen mit rund 4 Millionen Betroffenen in Deutschland.

© Orawan / stock.adobe.com

Oft langer Weg bis zur Diagnose

Wie Sie Patienten mit seltenen Erkrankungen früher erkennen

Eine Frau sitzt im bett und hustet.

© Sonja Monstein / stock.adobe.com

Fehlerhaftes Immunsystem

So unterscheiden sich primäre und sekundäre Immundefekte