Leitlinie Bechterew-Therapie vorgestellt

WIEN (gvg). Auf dem Europäischen Rheumatologie-Kongreß in Wien wurde zum ersten Mal eine internationale Leitlinien zur Therapie bei Morbus Bechterew präsentiert. Sie betont die große Bedeutung von Physiotherapie, nicht-steroidalen Antirheumatika und Biologicals.

Veröffentlicht:

Die Leitlinienkommission der Europäischen Rheumaliga EULAR wurde geleitet von dem deutschen Rheumatologen Professor Jürgen Braun vom Rheumazentrum Ruhrgebiet in Herne. Sie setzte sich aus 20 Rheumatologen und zwei Chirurgen zusammen. Die Experten haben einen Therapie-Algorithmus erarbeitet, in den sowohl der Evidenzgrad als auch die Experteneinschätzung einging.

Obwohl es kaum Studien dazu gibt, wird die große Bedeutung nicht-pharmakologischer Maßnahmen ausdrücklich hervorgehoben. Basierend auf Expertenmeinung und einigen wenigen, kleinen Studien wurde eine starke Empfehlung ausgesprochen, die vor allem Physiotherapie und sportliche Übungen - etwa das bei Bechterew-Patienten gängige Volleyball - umfaßt.

Medikamentöse Therapie der ersten Wahl sind nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR). Bei erhöhtem Risiko von gastrointestinalen Komplikationen werden gleichberechtigt Coxibe oder die Kombination aus NSAR und Protonenpumpenhemmstoff empfohlen. Sowohl Coxibe als auch herkömmliche NSAR erhielten den Evidenzgrad Ib, es liegt also mindestens eine positive randomisierte, kontrollierte Studie vor.

Reicht das nicht aus, dann sollte die weitere Therapie vom Typ der Beschwerden abhängen, so Braun in Wien. "Bei Vorliegen einer peripheren Arthritis ist ein Therapieversuch mit Sulfasalazin gerechtfertigt", so der Rheumatologe.

Auch die lokale Anwendung von Glukokortikoid-Injektionen sei bei diesen Patienten möglich. Für beide Therapien gibt es aber keine randomisierten, kontrollierten Studien. Im letzten Schritt sieht die Leitlinie bei dominant peripher-arthritischem Morbus Bechterew Biologicals vor.

Bei der viel häufigeren, axialen Form des Morbus Bechterew wird bei erfolgloser NSAR-Therapie mit mindestens zwei verschiedenen Substanzen für jeweils mindestens sechs Wochen sofort eine Behandlung mit Biologicals empfohlen. Für die älteren Substanzen Infliximab und Etanercept gilt hier der Evidenzgrad Ib.

Keine Indikation beim M. Bechterew gibt es nach Auffassung der Leitlinienautoren für die systemische Steroidtherapie und für die systemische Behandlung mit rheumatischen Basistherapeutika einschließlich Methotrexat. Ergänzende Therapiemaßnahmen, vor allem bei fortgeschrittener Erkrankung, können Analgetika wie Paracetamol sein, außerdem Operationen wie der Hüftgelenksersatz oder eine Umstellungsosteotomie.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vernarbung und Fibrosierung

Interstitielle Lungenerkrankung: Die Nachwehen von COVID-19

Infektionsgeschehen

Höhepunkt der Grippewelle wohl überschritten

Lesetipps
Ein Mann im Krankenhaus beim Essen.

© fresnel6 / stock.adobe.com

Neue S3-Leitlinie

Ernährungs-Screening bei Menschen mit Krebs sollte Routine werden

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe