Appell an Ärzte

Lückenloser Polio-Schutz!

In Deutschland sollte auch weiter konsequent gegen Polio geimpft werden, betonen RKI und und WHO zum Weltpoliotag am 28. Oktober.

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KOPENHAGEN / BERLIN. Seit 15 Jahren gilt die WHO-Region Europa als Poliomyelitis-frei. Jetzt scheint sogar die weltweite Eradikation von Polio greifbar nahe. So wurden 2017 weltweit bisher nur zwölf Erkrankungen mit Polio-Wildvirus registriert. Die Erreger werden dabei nur noch in Afghanistan, Pakistan und Nigeria gefunden.

Solange aber Polio-Viren noch irgendwo in der Welt zirkulieren, besteht das Risiko einer Einschleppung, betont das WHO-Regionalbüro Europa in einer Mitteilung und verweist auf Impflücken: Von 15 Kindern erhalte im Durchschnitt der Europäischen Region eines nicht alle Regelimpfungen rechtzeitig und insgesamt gehe der Impfschutz seit fünf Jahren zurück.

Schon zwei Ausbrüche in Syrien

Wo die Herdenimmunität gegen Polio versagt, können Polio-Wildviren sowie aus Impfstoffen abgeleitete Polioviren übertragen werden. Ein Beispiel ist Syrien, wo kriegsbedingt das Gesundheitssystem zusammengebrochen ist. Dadurch sind viele Menschen nicht geimpft worden, und es gab bereits zwei Polioausbrüche: 2013/2014 waren Polio-Wildviren (WPV1) die Ursache.

Ein noch andauernder Ausbruch seit März 2017 mit 48 gemeldeten Erkrankungen wird durch Impfviren der Lebendvakzine (cVDPV2) verursacht, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI) (Epi Bull 2017; 43: 485). Hier versucht die Global Polio Eradication Initiative (GPEI) unter schwierigen Umständen mit Impfprogrammen die Ausbrüche zu stoppen.

Gefahr aus Forschungslabors

Polioviren könnten auch aus Forschungseinrichtungen und Impfstoffwerken freigesetzt werden, von denen die meisten weltweit in Europa ansässig sind. Weil die inaktivierte Poliovkazine (IPV) aus Wildviren hergestellt werden, geht hier vom Herstellungsprozess die größere Gefahr aus.

So wurde im April ein Mitarbeiter einer Impfstoffwerks in den Niederlanden mit dem weltweit bereits eradizierten Polio-Wildvirus WPV2 infiziert, berichtet das RKI. Der Mann war 29 Tage Virusausscheider und wurde isoliert. In Deutschland ist daher seit Juli im Infektionsschutzgesetz (§50a) ein Laborcontainment von Polioviren vorgeschrieben, so das RKI. Koordiniert wird es von der Nationalen Kommission der Polioeradikation. (eis)

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