Neoplasie

Lymphom-Patient profitierte von ECMO

Erneut ist es bei einem Patienten mit einer hämatologischen Neoplasie gelungen, mit Unterstützung durch ein Lungenersatzverfahren eine komplette Remission zu erzielen.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:

HANNOVER. Die extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) ist bisher nur selten bei Patienten mit hämatologischen Neoplasien genutzt worden. Ärzte um Catherina Lueck von der Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben das Verfahren bei einem 20 Jahre alten Patienten erfolgreich angewandt, der an einem lymphoblastischen T-Zelllymphom/ T-ALL erkrankt war (Ann Hematol 2016: 95: 1719-1721).

Im CT entdeckten die Ärzte einen großen Mediastinaltumor (22 cm x 12 cm x 15 cm), der zur Kompression von Trachea und Bronchien sowie zu einem massiven rechtsseitigen Pleuraerguss führte. Trotz Legen eines Thoraxkatheters mit Drainage von zwei Litern Exsudat verschlechterte sich die pulmonale Situation des Patienten. Intubation und maschinelle Beatmung wurden erforderlich.

Dennoch entwickelte der Patient eine fortschreitende Hyperkapnie mit einem erhöhten arteriellen CO2-Partialdruck von 91 mmHg und einer respiratorischen Azidose (pH 7,07). Ursache war eine bronchoskopisch bestätigte schlitzförmige Kompression der Atemwege.

Femoraler Zugang gewählt

In der Folge musste der Patient intensivmedizinisch versorgt werden. Trotz Beatmung und Vasopressortherapie verschlimmerte sich die Hyperkapnie innerhalb von 14 Stunden nach Aufnahme auf die Intensivstation, weshalb sich die Ärzte für die ECMO-Implantation entschieden. Weil die Venen des Oberkörpers komprimiert waren, wählten sie für die zwei Kanülen den femoralen Zugang.

Nach respiratorischer Stabilisierung des Patienten wurde die Tumormasse mithilfe einer Bestrahlung (kumulativ 8 Gy) und der Behandlung mit Dexamethason und Cyclophosphamid reduziert. Es folgte eine Induktionstherapie mit Daunorubicin, Vincristin und Dexamethason. Nach einer Woche konnte die ECMO beendet und auf konventionelle Beatmung umgestellt werden.

Die Induktionstherapie führte allerdings nur zur partiellen Remission, weshalb eine Salvage-Therapie mit zwei Zyklen Nelarabin, Etoposid plus Cyclophosphamid angeschlossen wurde. Der Erfolg stellte sich schließlich in Form einer kompletten Remission ein. Ein halbes Jahr nach Aufnahme in die Klinik erhielt der junge Mann noch eine allogene Stammzelltransplantation. Nach Angaben der Ärzte war der Patient auch nach vier Jahren rezidivfrei und ohne Abstoßungsreaktionen.

Wie die Ärzte berichten, liegen bisher nur wenige Daten zur Anwendung der ECMO bei Krebspatienten und insbesondere bei Patienten mit hämatologischen Neoplasien vor. Auch in anderen Fallstudien mit Patienten, bei denen ein großer Mediastinaltumor vorlag, habe die ECMO nicht länger als eine Woche angewendet werden müssen. Die Kasuistiken zeigten, wie wichtig die enge Zusammenarbeit zwischen Hämatologen und Intensivmedizinern bei Patienten sei, bei denen die Krebstherapie potenziell kurativ ist.

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