Krebs

MRT leistet Entscheidungshilfe bei der Rektumkarzinom-Therapie

BERLIN (gvg). Sofortige Op oder präoperative Radiochemotherapie? Wenn Chirurgen bei Patienten mit einem Rektum-Ca Therapie-Entscheidungen treffen, liefert die Magnetresonanztomographie (MRT) wichtige Detailinformationen.

Veröffentlicht: 23.06.2006, 08:00 Uhr

Anders als bei höher gelegenen Kolonkarzinomen ist bei Karzinomen des mittleren und unteren Rektumdrittels das Risiko für Lokalrezidive hoch. "Bis vor kurzem betrug das Rezidivrisiko im Mittel rund zwanzig Prozent", sagte der Chirurg Professor Christoph-Thomas Germer vom Nürnberger Südklinikum auf dem Deutschen Radiologenkongreß in Berlin.

Erst durch Einführung einer neuen Operationstechnik, der totalen mesorektalen Exzision (TME), konnte das Rezidivrisiko in den vergangenen Jahren auf fünf bis acht Prozent gesenkt werden. Bei der TME wird das Rektum als Ganzes entfernt, wobei die viszerale Faszie intakt gelassen werden muß. Wird diese für die lokale Tumorausbreitung wichtige Grenze, wie bei der alten Operationstechnik, nicht streng beachtet, ist dies mit einer erhöhten Rezidivrate verbunden.

Eine neoadjuvante Radiochemotherapie könne das Risiko eines Lokalrezidivs zusätzlich auf 2,4 Prozent in zwei Jahren und sechs Prozent in vier Jahren verringern, so Germer. Doch diese Zusatzbelastung der Patienten sei nicht immer nötig: Nur wenn der Abstand zwischen Tumor und Resektionsschicht kleiner ist als zwei Millimeter, profitieren die Patienten von der Vorbehandlung. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, daß durch die Operation nicht alles Tumorgewebe beseitigt wird. In allen anderen Fällen werde dagegen sofort operiert, so Germer.

Nur die MRT kann heute diese Detailinformation liefern: "Die Faszien sind hervorragend sichtbar. Mit der MRT läßt sich sehr gut voraussagen, ob eine Resektion im Gesunden chirurgisch möglich ist oder nicht." In einer Studie, an der 79 Patienten mit Rektum-Ca teilnahmen, haben Germer und seine Kollegen das kürzlich belegt. Je nach MRT-Befund entschieden sie sich bei rund zwei Dritteln der Patienten für eine neoadjuvante Radiochemotherapie, bei einem Drittel jedoch für die alleinige Op.

Eine Folgestudie soll jetzt klären, ob sich mit modernen Chemotherapie-Schemata bei Patienten mit tiefem Rektumkarzinom nicht nur die Lokalrezidivrate, sondern auch das Gesamtüberleben verbessern läßt.

Infos zu Krebs etwa unter cancernet. nci.nih.gov und www.dkfz.de

Mehr zum Thema

„Bundesbericht Forschung und Innovation 2020“

Krebsforschung soll EU-weit Fahrt aufnehmen

„ÄrzteTag“-Podcast

Gentherapien und Co – Wunderwaffen oder Kostenfallen?

Das könnte Sie auch interessieren
Thromboseprophylaxe und COVID-19

„ÄrzteTage extra“-Podcast

Thromboseprophylaxe und COVID-19

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Leo Pharma GmbH, Neu-Isenburg
Aktuelle GTH-Empfehlung zur Thromboseprophylaxe bei COVID-19

CAT-Algorithmus

Aktuelle GTH-Empfehlung zur Thromboseprophylaxe bei COVID-19

Anzeige
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Kinder-Versorgung steckt noch in den Kinderschuhen

Versorgungslücken

Kinder-Versorgung steckt noch in den Kinderschuhen

Störung in der Telematikinfrastruktur hält an

Arztpraxen

Störung in der Telematikinfrastruktur hält an

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden