Reisemedizin

Malaria-Arznei aus dem Garten

SODO (dpa). Elfinesh Achemo rollt die farnartigen Blätter zwischen den Fingern. "Ich muss eine Tasse Blätter mit einem Liter Wasser aufkochen", sagt die Bäuerin aus dem äthiopischen Dorf Sodo. "Dieser Tee muss täglich getrunken werden, eine Woche lang." So wie in Sodo wird auch in anderen afrikanischen Ländern der Anbau von Beifuß (Artemisia annua) gefördert. Es wird als Malariamittel genutzt.

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"Seit wir Artemisia haben, haben wir keine Probleme mit Malaria mehr", sagt sie. "Vorher waren wir oft krank, und haben unter dem Fieber gelitten. Aber mit diesem Tee werden wir schnell wieder gesund." Sie verzieht den zahnlosen Mund zu einem breiten Lächeln. "Aber es ist eine bittere Medizin, für die Kinder müssen wir den Tee mit Honig süßen."

Die Pflanze wächst im Garten der Bauernfamilie, wie auch vor zahlreichen Hütten in Sodo, einem der "Millenniumsdörfer" der Deutschen Welthungerhilfe. Hier soll nachhaltige Entwicklung genau dokumentiert und die Ergebnisse überprüft werden. Doch auch in anderen Projekten, ob auf dem Land oder in städtischen Slums, ermutigen die Helfer der Welthungerhilfe die Äthiopier zum Anbau von Artemisia.

Beifuß-Wirkstoff ist auch in einem Medikament enthalten

"Auch in Kenia und Tansania wird Artemisia inzwischen angebaut", sagt Bernhard Meier zu Biesen von der Welthungerhilfe in Addis Abeba. Denn der pflanzliche Wirkstoff Artemisinin aus dem einjährigen Beifuß (Artemisia annua) wird für ein Malariamedikament (Coartem von Novartis) gebraucht. Auf Sansibar hat ein Prophylaxeprogramm mit dem Medikament gute Erfolge gezeigt - die Zahl der an Malaria gestorbenen Kinder ging in wenigen Jahren auf ein Viertel zurück. "Das Medikament ist natürlich ein großer Fortschritt, gerade weil die Malaria-Erreger bereits Resistenzen gegen die meisten herkömmlichen Malariamedikamente entwickelt haben", sagt Meier zu Biesen. Die Pflanze habe aber noch eine Reihe von anderen Heilwirkungen, etwa bei Magenproblemen.

Mit der Nutzung des Wirkstoffs greifen Pharmaindustrie und afrikanische Bauern auf jahrhundertealte Traditionen zurück. Denn schon im alten China wurde Beifuß gegen Malaria eingesetzt. Doch das in 2000 Jahre alten Lehrbüchern dokumentierte Wissen geriet in Vergessenheit. Erst in den 1960er Jahren erforschten chinesische Wissenschaftler erneut die Wirkung des "Wurmholzes".

Wissenschaftler sorgen sich um mögliche Resistenzen

Wissenschaftler fürchten allerdings nun, ein unkontrollierter Gebrauch von Artemisinin mache das Medikament unwirksam. Erste Resistenzen wurden bereits gefunden, warnten etwa Forscher des Louis-Pasteur-Instituts nach Untersuchungen unter anderem in Senegal und Kambodscha. Als zentrale Maßnahme im Kampf gegen Malaria gilt der Weltgesundheitsorganisation daher die Vermeidung einer Infektion - etwa durch imprägnierte Moskitonetze.

In Sodo haben die Menschen keine Angst, das Kraut könne unwirksam werden. Zufrieden blickt Elfinesh Achemo auf den Strauch in ihrem Garten. "Meine Familie ist gesund, seit ich weiß, wie ich den Tee machen muss."

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