Schilddrüse

Manche Knoten entpuppen sich als Karzinome

Bei zufällig entdeckten Schilddrüsenknoten lohnt sich ein genauer Blick, am besten mit der PET-CT. Denn in einer aktuellen US-Studie fand sich bei mindestens jedem zehnten Patienten ein Malignom, wobei in der retrospektiven Untersuchung der papilläre Typ vorherrschte.

Von Peter LeinerPeter Leiner Veröffentlicht:
Schilddrüsen-Szintigrafie mit heißem Knoten rechts.

Schilddrüsen-Szintigrafie mit heißem Knoten rechts.

© Jan-Peter Kasper/dpa

HERSHEY. Bisherigen Studien zufolge liegt der Anteil an Malignomen in zufällig entdeckten Schilddrüsenknoten zwischen 8,6 und 29 Prozent.

In ihrer retrospektiven Studie untersuchten Dr. Irina Chaikhoutdinov und ihre Kollegen vom Medical Center College of Medicine in Hershey in den USA anhand einer Fallserie zwischen Mitte 2008 und Mitte 2009 unter anderem, wie solche Schilddrüsenknoten und die Malignome entdeckt worden sind und welche malignen Veränderungen vorherrschten (Otolaryngology - Head and Neck Surgery 2014; 150(6): 939-942).

Dazu werteten sie die Befunde von mehr als 1400 Patienten mit Schilddrüsenstörungen aus, von denen Schilddrüsenknoten bei 249 Patienten (19 Prozent) rein zufällig entdeckt worden waren.

Bei fast jedem zweiten Patienten (44,6 Prozent) und damit bei den meisten lag der Durchmesser der Knoten zwischen 1 und 2 cm und bei fast 20 Prozent zwischen 2 und 3 cm. Bei etwa 19 Prozent war der Durchmesser kleiner als 1 cm.

CT: am meisten genutztes Verfahren

Mit einem Anteil von 59,8 Prozent war die Computertomografie (CT) das am meisten genutzte Verfahren, mit dem die Knoten zufällig entdeckt wurden, gefolgt von der Sonografie (17,7 Prozent), dem MRT (10,4 Prozent) und PET-CT (8,4 Prozent). Allerdings gelang es mit dem CT nur bei 6,8 Prozent der Aufnahmen, in den Knoten Malignome zu entdecken.

Anders war es bei der kombinierten Bildgebung des PET-CT: Nur 8,4 Prozent der Knoten wurden damit zufällig entdeckt, aber fast 24 Prozent der Malignome, wie die HNO-Ärzte aus Hershey berichten.

Das entspricht etwa dem Anteil, der auch in anderen Studien festgestellt worden ist (zwischen 14 und 32 Prozent). Mit keiner anderen Bildgebung ließen sich die Malignome besser nachweisen.

Am ehesten kam es zum Zufallsbefund im Zusammenhang mit einer Krebsdiagnostik, die sich nicht auf die Schilddrüse bezog (26,9 Prozent). In 13,7 Prozent der Fälle handelte es sich um Untersuchungen bei orthopädischen Beschwerden und bei der Beurteilung von Gefäßen (jeweils 13,7 Prozent) sowie von Knoten in der Lunge (11,6 Prozent).

Sehr selten hingegen waren Infektionen (0,4 Prozent) der Grund für die bildgebenden Untersuchungen.

Sonografie zum Follow-up

In der Studie wurde die Sonografie zum Follow-up am häufigsten genutzt, und zwar bei 155 der 249 Patienten, also bei 62 Prozent. Am zweithäufigsten wurde die Sonografie gemeinsam mit der Feinnadelbiopsie angewandt (bei 90 Patienten / 36 Prozent).

Nach der Sonografie war bei 86 Prozent der Patienten eine zweite Bildgebung erforderlich, nach der kombinierten Bildgebung jedoch nur bei 53 Prozent.

Die häufigste Diagnose nach einer Feinnadelbiopsie waren mit einem Anteil von 64,1 Prozent benigne follikuläre Knoten. Bei 31,8 Prozent der Befunde bestand der Verdacht auf ein Malignom. Bei 13,5 Prozent handelte es sich tatsächlich um ein papilläres Schilddrüsenkarzinom.

Allerdings: Von den 55 Patienten (also etwa jeder fünfte Patient), die in der Folge an der Schilddrüse operiert worden waren, hatten nur 60 Prozent ein Malignom, was ein Hinweis auf die Diskrepanz zwischen dem zytologischen Ergebnis und dem nach der Operation ist.

Am häufigsten war bei allen operierten Patienten das papilläre Schilddrüsenkarzinom, das in fast 51 Prozent aller Resektate nachgewiesen wurde.

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