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Mehr IV-Verträge für Schizophrene gefordert

Nur wenige Versorgungsverträge für Patienten mit Schizophrenie sind bislang abgeschlossen worden. In Hamburg wird derzeit ein Modellprojekt erprobt.

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Schizophrenie-Patienten brauchen Orientierung und kontinuierliche Unterstützung.

Schizophrenie-Patienten brauchen Orientierung und kontinuierliche Unterstützung.

© Action Pictures / imago

Von Christian Beneker

HAMBURG. Klar und alarmierend brachte Privatdozent Martin Lambert das Problem der Schizophreniepatienten auf den Punkt: "Den Unterschied zwischen den leichten und den schweren Fällen macht wahrscheinlich die Behandlung."

Eine bessere Strukturqualität der Versorgung und eine bessere Früherkennung würde viele schwere Ausprägungen der Schizophrenie gar nicht erst auftreten lassen, so Lambert auf der Tagung "Die subjektive Seite der Schizophrenie - Bedürfnisorientierte Behandlung - Integration der Versorgung" in Hamburg.

Durch IV-Vertrag lasse sich Früherkennung verbessern

Als Mittel der Wahl in der Versorgung von Schizophrenie-Patienten sieht Lambert die Integrierte Versorgung (IV). Dadurch könnten nicht nur Qualität und Früherkennung verbessert, sondern auch die Kosten der Behandlung deutlich gesenkt werden.

"Die 30 Prozent der schwersterkrankten Patienten mit Schizophrenie kosten die Kassen 60 bis 70 Prozent ihrer Gesamtkosten für diese Patientengruppe", so Lambert, "und 80 bis 90 Prozent dieser Kosten entstehen im voll- und im teilstationären Bereich." Sein Fazit: im ambulanten Bereich kräftig investieren, um im stationären Bereich zu sparen.

Viel Geld wird für stationäre Behandlung ausgegeben

Aber so weit ist es längst noch nicht. "Nur 100 der heute rund 5000 IV-Verträge sind für Psychiatrie-Patienten geschlossen worden und von diesen nur zehn für Schizophrenie-Patienten", so Lambert.

Trotz der langfristigen Behandlungsnotwendigkeit würden weiterhin hohe Summen für voll- und teilstationäre Behandlung ausgegeben, dafür sehr wenig im ambulanten Langzeitbereich.

In einer Überblicksanalyse hat das Uniklinikum Eppendorf (UKE) festgestellt, dass sich die Versorgungskosten für Schizophrenie-Patienten auf 14.000 bis 18.000 Euro pro Jahr belaufen.

Produktivitätsverluste beliefen sich auf bis zu 30.000 Euro im Jahr

Noch teurer sind die anfallenden Arbeitsunfähigkeitstage. Die Produktivitätsverluste beliefen sich auf 25.000 bis 30.000 Euro im Jahr, hieß es. Die Angehörigen müssten zusätzlich im Schnitt 950 bis 1700 Euro im Jahr aufbringen.

"Allein 25 Prozent der Jahresversorgungskosten entstehen durch Krankenhaushopping der Patienten", so Lambert.

Modellprojekt in Hamburg

Integrierte Versorgung könne das verhindern, wie die Erfahrungen des "Hamburger Modells" zeigten. Die Patienten werden hier ambulant therapiert. Klinik, ein Assertive Community Treatment Team (ACT) und niedergelassene Ärzte übernehmen rund um die Uhr die Versorgung im Rahmen eines IV-Vertrages.

Auch für Angehörige gibt es Unterstützung. "Bisher erhalten in Deutschland nur 7,8 Prozent aller betroffenen Familienangehörigen eine Familientherapie", so Privatdozentin Anne Karow von der UKE-Früherkennungsambulanz.

Aufklärungskampagne gestartet

Daher gehören beim Hamburger Modell auch psycho-, sozio-, kunst- und familientherapeutische Einzel- und Gruppenangebote mit zum Vertrag. Im Rahmen des Projektes Gesundheitsmetropolregion Hamburg will man auch die Früherkennung verbessern. So startete Anfang Januar zunächst eine auf einen Stadtteil beschränkte Aufklärungskampagne.

Außerdem seien spezielle Fortbildungen für Hausärzte, Mitarbeiter von Suchthilfestellen oder dem schulpsychologischen Dienst in Vorbereitung, so Lambert.

Langfristiges Ziel sei es, "dass hier ein Netzwerk entsteht, dass uns im Rahmen eines IV-Vertrages schließlich das Behandlungsmandat übergibt."

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