Metastasen mit Laser schonend entfernt

Etwa jeder dritte Patient mit Krebs entwickelt irgendwann Lungenmetastasen. Bei 20 Prozent ist ausschließlich die Lunge befallen. Dies eröffnet die Chance einer noch kurativen Behandlung, sagt der Thoraxchirurg Professor Axel Rolle aus Coswig.

Von Ingeborg Bördlein Veröffentlicht:

COSWIG. Professor Axel Rolle von den Recura Kliniken Fachkrankenhaus Coswig hat eine Lasertechnik entwickelt, mit der es möglich ist, multiple Metastasen äußerst "blutarm" und gewebeschonend aus dem Lungenparenchym zu entfernen. Können die Herde komplett reseziert werden, liegen die 5-Jahres-Überlebensraten bei 40 bis 50 Prozent.

Mit einem speziellen Laserlicht in der Wellenlänge von 1318 Nanometern - erzeugt von Diodenlasern - gelingt es, die Metastasen aus dem Lungengewebe exakt herauszuschneiden. Zugleich kann sehr bluttrocken gearbeitet werden, da sich die Gefäße nach Abtragung sofort verschließen (Pneumologe online, DOI: 10.1007/s10405-009-0359-4).

Innerhalb nur einer Minute wird die Metastase entfernt

Da die Lunge ein zartes Gewebe mit weit geringerer Gewebedichte ist als etwa die Leber, genügt Rolle zufolge schon eine 60-Watt-Leistung der neuen Dioden-Lasergeneration, um eine zwei Zentimeter große Metastase innerhalb einer Minute bei 700 Grad Celsius aus dem Gewebe zu schneiden. Das Metastasengewebe wird dabei nicht zerstört, was den Vorteil hat, dass die Metastase histologisch und molekularbiologisch untersucht werden kann.

Nach genauer Lokalisierung der Metastasen in der Lunge mittels Computertomografie (CT) oder Positronenemissionstomografie plus CT (PET/CT) wird der betroffene Lungenflügel über einen anterolateralen Schnitt erreicht. Er wird quasi stillgelegt und vom Operateur Zentimeter um Zentimeter mit den Händen abgetastet. Auf diese Weise können Rolle zufolge auch kleinste Herde ertastet werden: "Das ist besser als ein hochempfindliches CT-Gerät." In etwa einem Viertel der Fälle werden intraoperativ noch weitere kleine Herde getastet, die trotz modernster Multislice-CT-Technik nicht sichtbar waren.

Die Metastasen werden Stück für Stück entlang ihrer Form mit einem Sicherheitsabstand von wenigen Millimetern vom Tumorrand mit dem Laserlicht exakt entfernt. Das umliegende Gewebe wird dabei maximal geschont. Die dabei entstehenden kleinen Krater vernarben von selbst und müssen nur an der Oberfläche vernäht werden.

Mit diesem Parenchym sparenden und blutarmen Verfahren gelingt es nach Angaben von Rolle in Einzelfällen über 100 Metastasen in der Lunge pro Patient zu resezieren. Im Durchschnitt werden pro Patient etwa sieben Metastasen abgetragen. Die Komplikations- und Lokalrezidivrate liegt bei dieser präzisen Resektionsmethode zwischen einem und zwei Prozent.

Zahl der Metastasen ist kein Ausschlusskriterium

Die Ergebnisse können sich sehen lassen, wie in einer prospektiven Studie aus dem Jahre 2006 der Arbeitsgruppe um Rolle nachzulesen ist (J Thoracic Cardiovasc Surg 2006; 131: 1236). Insgesamt 328 Patienten mit Lungenmetastasen wurden diesem Verfahren unterzogen. Bei 93 Prozent der Patienten konnten die Metastasen vollständig entfernt werden, wenn sie einseitig aufgetreten waren. Waren beide Lungenflügel betroffen, so gelang dies immer noch in drei von vier Fällen. Konnten die Metastasen vollständig reseziert werden, lag die 5-Jahres-Überlebensrate bei 41 Prozent. Bei unvollständiger Entfernung überlebten indes nur sieben Prozent fünf Jahre.

Die Zahl der Metastasen sieht der Thoraxchirurg nicht als Ausschlusskriterium für eine Laserresektion. Es gehe vielmehr um eine Zusammenschau mehrere Kriterien wie etwa auch Größe und Lokalisation. Ziel müsse immer sein, eine vollständige Resektion zu erreichen. Immerhin überlebt jeder fünfte Krebspatient mit mehr als 20 resezierten Metastasen mehr als fünf Jahre.

Nach Primärtumoren aufgeschlüsselt hatten Patientinnen mit Lungenmetastasen nach Mammakarzinom, die der Chemotherapie trotzten, noch sehr gute 5-Jahres-Überlebensraten von 50 Prozent. Bei Patienten mit einem Nierenzell- oder Kolonkarzinom konnten Überlebensraten von über 40 Prozent erzielt werden und bei Patienten mit einem malignen Melanom immerhin noch knapp 20 Prozent.

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