Methylphenidat hilft Erwachsenen mit ADHS

AACHEN (fvw). Erwachsene mit Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivititäts-Syndrom (ADHS) können wirksam mit Methylphenidat behandelt werden. Das hat eine Placebo-kontrollierte Studie ergeben.

Veröffentlicht:

Dass noch kein Methylphenidat-Präparat in Deutschland zur Therapie von Erwachsenen mit ADHS uneingeschränkt zugelassen ist, liegt an begrenzten Langzeiterfahrungen zu Wirksamkeit und Verträglichkeit. Daten dazu liefert jetzt die EMMA-Studie* von Professor Michael Rösler aus Homburg /Saar.

Der ADHS-Experte hat die Studie beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Aachen vorgestellt: Etwa zwei Drittel der 359 erwachsenen Studienteilnehmer wurden über 24 Wochen mit im Mittel 40 mg retardiertem Methylphenidat behandelt, ein Drittel mit Placebo.

Die Symptome der Patienten wurden mit dem Wender Reimherr Interview (WRI) erhoben. Dabei wurden außer Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität auch Erwachsenen-typische Symptome wie Desorganisation und emotionale Dysregulation erfasst. "Die Patienten erhielten zudem eine individuelle Beratung", erklärte Rösler bei der Veranstaltung von Medice.

Die Behandlung mit retardiertem Methylphenidat war der Placebowirkung über 24 Wochen signifikant überlegen. Im Mittel verringerten sich die Punktwerte für die Symptome mit Placebo von 46 auf 32 Punkte, mit Methylphenidat auf 26 Punkte. Zudem sprachen in der Verumgruppe im Vergleich zu Placebo deutlich mehr Patienten auf die Therapie an. In beiden Gruppen gab es keine Differenzen bei der Gewichtsentwicklung und beim Blutdruck. Das Präparat wurde gut vertragen. Methylphenidat (Medikinet® retard) ist in den Wirkstärken 10, 20, 30 und 40 mg erhältlich.

*Erwachsene mit Methylphenidat retard zur Prüfung der Effektivität und Verträglichkeit bei ADHS.

Mehr zum Thema

Amerikanischer Neurologen-Kongress

Studie: Checkpointhemmer auch bei Multipler Sklerose sicher

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

DGIM-Kongress

Sepsis-Verdacht: Eine Stunde, fünf essenzielle Maßnahmen

Allokation von Ressourcen in schwierigen Zeiten

Allgemeinmedizin, das ist „lebenslange Präzisionsmedizin“

Lesetipps
Klinische Daten sind spärlich: EM-Aufnahme von Phagen.

© Matthew Dunne / ScopeM / ETH Zürich

Viele Studien, wenig Evidenz

Phagentherapie – der lange Weg in die klinische Anwendung

Dr. Markus Wenning, Ärztlicher Geschäftsführer der Ärztekammer Westfalen-Lippe

© Sophie Schüler

Versorgungslage

Ärztemangel? Prognose: Schwindsucht

Internist und Intensivmediziner Professor Christian Karagiannidis appellierte beim DGIM-Kongress: Die ärztliche Weiterbildung müssen in Zukunft sektorenübergreifender gedacht werden.

© Sophie Schüler

Junges Forum auf dem DGIM-Kongress

Rotationsweiterbildung – bald der neue Standard?