Direkt zum Inhaltsbereich

Masern

Miserable Impfraten in der EU

Die Masernfälle haben sich europaweit seit 2008 vervierfacht, warnen EU-Gesundheitsexperten. Ihre Erklärung: Die Menschen sind impfmüde. Nun wird nach einem europäischen Impfpass und Apps gerufen.

Veröffentlicht:
Impfpass: Ein Experte fordert, einheitliche europäische Impfpässe einzuführen.

Impfpass: Ein Experte fordert, einheitliche europäische Impfpässe einzuführen.

© emeraldphoto / fotolia.com

BAD HOFGASTEIN (taf). Impf-Prophylaxe übers Smartphone. Dafür haben kürzlich EU-Gesundheitsexperten beim European Health Forum Gastein (EHFG) plädiert.

Über Sozialplattformen wie Facebook und mit Apps für Smartphones könnten Risikogruppen gezielt zum Impfen ermuntert werden, so die Idee.

Anlass, neue Wege zur Ansprache zu suchen, geben alarmierende Zahlen der auf dem EHFG vorgestellten jüngsten Studie des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC).

Die Zahl der Masernfälle hat sich in Europa seit 2008 vervierfacht. Zwischen Juni 2011 und Mai 2012 wurden mehr als 12.500 Masernerkrankungen registriert, wovon 20 Prozent stationär behandelt werden mussten.

80 Prozent der Erkrankten waren nicht geimpft. Rund 80 Prozent der Masernfälle konzentrierten sich auf Frankreich, Rumänien, Italien und Spanien.

Von den 22.000 Rötelerkrankungen traten die meisten Fälle in Rumänien und Polen auf. Gründe für die Ausbreitung von Masern und Röteln in Europa sind offenbar die allgemeine Impfmüdigkeit und Kampagnen im Internet gegen Immunisierungsprogramme.

53 Länder lassen zu wünschen übrig

Der Stellenwert von Impfungen werde verkannt. Das verleite viele zur Einschätzung, dass die Impfungen nicht mehr nötig seien, sagte die österreichische Europa-Abgeordnete Karin Kadenbach. Aufgrund von kontroversen Diskussionen, besonders im Internet, litten Impfungen zudem an Imageproblemen.

"In 53 Ländern Europas ist die Impfrate nicht annähernd hoch genug, um extrem ansteckende Krankheiten zu eliminieren", warnt ECDC-Leiter Marc Sprenger im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Nur wenn 95 Prozent der Bevölkerung gegen Masern geschützt seien, könnten Viren nicht mehr zirkulieren.

Es sei von äußerster Wichtigkeit, dass die EU-Mitgliedstaaten Symptome von sich ausbreitenden Krankheiten oder Epidemien umgehend meldeten, wie der jüngste Noro-Viren-Ausbruch in Deutschland gezeigt hätte.

So könne das ECDC umgehend eine Risikoanalyse für alle Mitgliedstaaten erstellen.

Einheitlicher europäischer Impfpass die Lösung?

Sprenger zufolge brauche es keine europäische Impfstrategie, um die EU-Bevölkerung zu schützen. Brüssel und die EU-Kommission hätten keine Möglichkeit, einen derartigen Vorstoß zu unternehmen, weil die Kompetenz für Gesundheitspolitik weiter in den Mitgliedstaaten liege.

"Es wäre aber nichts einfacher, als einen einheitlichen europäischen Impfpass einzuführen, um besser auf epidemische Erkrankungen reagieren zu können." Dies gebe es zwar EU-weit für Katzen und Hunde, hätte in der Humanmedizin aber unter den Gesundheitsministern der Mitgliedsländer noch nicht durchgesetzt werden können.

Erst 2011 sei die Initiative unter ungarischer EU-Ratspräsidentschafterneut gescheitert. "Brüssel hat keine Macht, dies durchzusetzen gegen den Willen der Mitgliedstaaten".

Hingegen böten Plattformen wie Facebook oder Twitter beispielsweise bei Roma-Mädchen, die als besonders gefährdet für Röteln- und Masernerkrankungen gelten, die Chance, der Impfmüdigkeit entgegenzuwirken.

"Viele Mädchen aus dieser Zielgruppe wären auf ihrem eigenen Mobiltelefon ansprechbar", glaubt Sprenger.

Mehr zum Thema

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz

Besonderes Augenmerk auf HBV

HIV und Impfungen: Was beachten, was testen?

Das könnte Sie auch interessieren
Woman with diabetes standing on top of the hill and looking at camera

© Getty Images

Impflücken bei Chronikern

Grippeimpfung bei Diabetes: Risiko für Folgen senken

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Die vergessene Reiseimpfung

© Milo Zanecchia | Getty Images

Impfen in der Praxis

Die vergessene Reiseimpfung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
„Motivational Interviewing“ in der Impfberatung

© SrdjanPav | Getty Images

Impfkommunikation

„Motivational Interviewing“ in der Impfberatung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Praktische Tipps

Aufgebrachte Patienten? Wie Praxisteams sicher deeskalieren

Präexpositionsprophylaxe

HIV-PrEP: Diese Möglichkeiten gibt es

Barrieren abbauen

Menschen mit Behinderung in der Praxis: Kleine Stellschrauben, große Wirkung

Lesetipps
Viren schweben über Kot.

© Shawon / Generated with AI / Stock.adobe.com

Heimische Zoonosen

Wie Sie eine Hantavirus-Infektion erkennen