Direkt zum Inhaltsbereich

Moderne Stuhltests noch nicht alltagstauglich

BERLIN (gvg). Der traditionelle Test auf okkultes Blut im Stuhl behält bei Menschen, die nicht am Koloskopie-Screening teilnehmen, seine Berechtigung. Noch ist er durch moderne Verfahren wie Immundiagnostik oder Gentests nicht ersetzbar.

Veröffentlicht:

"Immunologische und molekulare Stuhluntersuchungen können derzeit noch nicht empfohlen werden", sagte Dr. Christian Pox von der Uni Bochum auf dem Deutschen Krebskongreß. Es sei bis jetzt nicht belegt worden, daß sie helfen, die Sterblichkeitsrate bei Darmkrebs zu senken.

Werde der Guaiac-Stuhltest alle zwei Jahre nach Vorschrift mit drei aufeinander folgenden Stuhlgängen gemacht, könne bei positivem Testergebnis durch Untersuchungen und Op die Darmkrebssterblichkeit um etwa 30 Prozent gesenkt werden, so Pox. 63 Prozent der so entdeckten Karzinome haben prognostisch günstige frühe Stadien.

Nach Alternativen wird deshalb gesucht, weil der Test oft nicht nach Vorschrift angewandt wird, was die Erfolgsquoten reduziert. So betrug die Sensitivität des Tests in einer Studie mit über 2600 Patienten 24 Prozent, wenn der Test dreimal gemacht wurde, aber nur fünf Prozent, wenn er - ein häufiger Fehler - nur einmal gemacht wurde.

Auch gebe es Daten aus den USA, die belegten, daß nur nach jedem zweiten positiven Stuhltest eine Koloskopie erfolgt. "In Deutschland dürfte das ähnlich sein", so Pox.

Eine "Modernisierung" des traditionellen Tests ist der immunologische Stuhltest. Wie Pox berichtete, erreichte dieser in einer aktuellen deutschen Studie eine Sensitivität von 74 Prozent für die Entdeckung kolorektaler Karzinome und eine Sensitivität von 18,9 Prozent für große Adenome. In der Kontrollgruppe mit dem Guaiac-Test waren es 37 und 5,6 Prozent (AP&T 23, 2006, 145). "Das Verfahren ist möglicherweise sensitiver als der Standard-Stuhltest", so Pox. Es gebe aber noch zu wenige Daten dazu.

Ernüchternd findet Pox Ergebnisse kleiner Studien aus den USA mit Gentests. Sie hätten eine Sensitivität von über 60 Prozent für kolorektale Karzinome und von 50 Prozent für große Adenome ergeben, was aber in einer Großstudie nicht reproduziert werden konnte (NEJM 351, 2004, 2704). Der Test wird jetzt verbessert und muß dann neu evaluiert werden.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

FODMAP, Hypnose, Stuhltransfer

Diese Interventionen helfen beim Reizdarmsyndrom

Cochrane-Review

Prostatakrebs: Wie ist denn nun die Evidenz des PSA-Screenings?

Lesetipps
Kardiologe Oliver A. Schmidt

© privat

Arzt entwickelt MFA-Börse

So finden Praxisinhaber die MFA, die zu ihnen passt

Eine Frau hält Tabletten in der Hand

© Dusan / stock.adobe.com

Differenzierung ist entscheidend

INOCA/ANOCA: Welche Therapie ist die richtige?

Dass Sport einen positiven Effekt bei Patienten mit Depressionen hat, ist nichts Neues. Der Casus Knacksus ist die Motivation.

© Rifqi Muflih / stock.adobe.com

Motivierende Gesprächsführung

Wie motiviere ich Patienten mit Depression zu Sport?