Schweinegrippe

Nach der Pandemie wurde H1N1 gefährlich

Das Influenzavirus H1N1 hat in der ersten Saison nach der Pandemie öfter zu schweren Komplikationen geführt. Kollegen aus Heidelberg haben eine Vermutung, woran das liegen könnte.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Erreger unter der Lupe: Das neue H1N1 befiel im Jahr nach der Pandemie deutlich ältere Menschen.

Erreger unter der Lupe: Das neue H1N1 befiel im Jahr nach der Pandemie deutlich ältere Menschen.

© iStockphoto/Thinkstock

HEIDELBERG. Auch wenn Influenza in der Saison 2010 / 2011 kaum noch ein Thema in den Medien war - viele Erkrankte litten in der ersten postpandemischen Saison weit stärker unter dem neuen H1N1-Virus als Betroffene bei der Pandemie.

Überträgt man die Daten einer Studie des Uniklinikums Heidelberg auf ganz Deutschland, dann hat es in der zweiten Saison mit dem neuen Virus sogar deutlich mehr schwere Verläufe und Todesfälle gegeben als bei der Pandemie 2009 / 2010 (Emerg Infect Dis 2013; online Mai-Ausgabe).

Als Grund vermuten Infektiologen um Dr. Nicola Lehners von der Universität Heidelberg das veränderte Altersspektrum: Suchte das Virus in der ersten Welle vor allem Kinder und Jugendliche heim, so waren es in der zweiten Saison deutlich ältere Menschen.

Häufiger schwere Verläufe

Für seine Analyse hatte das Team um Lehners Daten von 178 Patienten analysiert, die aufgrund einer Infektion mit dem neuen H1N1-Virus zwischen 2009 und 2011 im Uniklinikum behandelt werden mussten.

Zwar war die absolute Zahl der Influenza-bedingten Einweisungen in der postpandemischen Saison deutlich geringer als während der ersten Pandemie-Welle (76 versus 102), der Anteil der Patienten, die mit schweren Verläufen auf die Intensivstation mussten, war im Winter 2010 / 2011 jedoch fast dreimal höher (46 versus 14 Prozent).

Auch die Mortalität war entsprechend gestiegen: Mit neun versus fünf Patienten (12 versus 5 Prozent) starben 2010 / 2011 im Heidelberger Uniklinikum fast doppelt so viele Patienten an der neuen Influenza wie während der ersten Pandemiewelle.

Zunehmend ältere Menschen

Die Unterschiede zwischen der Morbidität und Mortalität während beider Wellen lassen sich gut mit der Altersstruktur der Patienten erklären. Im Laufe der Pandemie 2009 / 2010 wurden vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in die Klinik eingewiesen (Altersdurchschnitt: 18 Jahre).

Sie steckten die Infektion offenbar besser weg. Im Winter 2010 / 2011 waren es dagegen deutlich ältere Patienten (im Schnitt 38 Jahre).

Von den insgesamt 50 Patienten mit schwerem Verlauf hatten 45 (90 Prozent) zudem mindestens eine Vorerkrankung: 28 waren immunsupprimiert, 29 hatten eine kardiovaskuläre Erkrankung, 15 eine Niereninsuffizienz, 13 einen hämatologischen Tumor, 12 einen Diabetes und 11 eine chronischen Lungenerkrankung.

Von den 14 Patienten, die starben, hatten alle Vorerkrankungen, vier davon ein multiples Myelom, zwei andere Tumoren, die übrigen eine KHK oder andere schwere Infekte, oder sie waren nach Organtransplantation immunsupprimiert.

Ähnlich wie zur Zeit der Pandemie waren Patienten über 70 Jahren auch in der ersten postpandemischen Welle kaum betroffen, allerdings bildete sich neben dem Peak in der Altersgruppe von 0 bis 14 Jahren nun ein zweites Maximum im Bereich von 40 bis 60 Jahren.

Für Lehners und Mitarbeiter ist daher die Empfehlung, Risikopatienten mit Vorerkrankungen ausfindig zu machen und zu schützen, noch genauso dringlich wie während der ersten Pandemiewelle.

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