KHK

Nachtschicht ist schlecht fürs Herz

Schichtarbeiter haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. So ist die Gefahr für Herzinfarkte bei Menschen, die regelmäßig Nachtschichten machen, um über 40 Prozent erhöht.

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Nachts in der Klinik arbeiten: Das Herz dankt es nicht.

Nachts in der Klinik arbeiten: Das Herz dankt es nicht.

© Sergio Castelli / shutterstock

LONDON (mut). Ob am Flughafenschalter, der Tankstelle oder in der Klinik - Schichtarbeit ist in der modernen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken.

Etwa ein Drittel der Beschäftigten arbeitet nach Schichtplänen, was allerdings nicht heißt, dass alle auch nachts schuften - dies tut etwa jeder zwölfte.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind es in Deutschland aber immerhin drei Millionen Menschen, die regelmäßig Nachtschichten zwischen 23 Uhr abends und 6 Uhr morgens absolvieren.

Über die gesundheitlichen Risiken der Schichtarbeit wurde bereits viel geforscht. Klar ist, dass Nachtschichten nicht gut für den Tag-Nacht-Rhythmus sind, dass sie Schlafstörungen und Depressionen, mitunter auch Suchterkrankungen begünstigen.

Nun haben Forscher um Dr. Manav Vyas aus London in Kanada das bekannte Wissen zur Schichtarbeit und vaskulären Risiken zusammengetragen (BMJ 2012; 345: e4800).

24 Prozent höheres kardiales Risiko

Dazu wählten sie aus der vorhandenen Literatur die ihrer Meinung nach methodisch besten Studien aus. Sie kamen auf 34 Untersuchungen, die sich mit kardiovaskulären Ereignissen bei knapp über zwei Millionen Personen befassten.

Dabei ergaben 25 von 28 Studien ein erhöhtes oder ähnlich hohes Risiko für kardiale Ereignisse bei Schichtarbeitern wie bei Beschäftigten ohne Schichtbetrieb oder der Allgemeinbevölkerung.

Nur drei Studien ergaben ein erniedrigtes kardiales Risiko bei Schichtarbeitern. Als kardiales Ereignis zählten Herzinfarkt sowie Tod oder Klinikeinweisung aufgrund einer KHK.

Über alle Studien gemittelt, war die Rate für kardiale Ereignisse bei den Schichtarbeitern um 24 Prozent erhöht, explizit für Herzinfarkt um 23 Prozent. Wurden nur qualitativ hochwertige prospektive Kohortenstudien betrachtet, so war die Rate für kardiale Ereignisse bei Schichtarbeit sogar um 32 Prozent erhöht.

Die Gefahren sind allerdings sehr unterschiedlich verteilt: Für Spätschichten lässt sich kein, bei Nachtschichten dagegen ein um 41 Prozent erhöhtes kardiales Risiko feststellen.

Schichtarbeit - ein Bias?

Die Kassiererin im Supermarkt, der bis 22 Uhr aufhat, muss sich demnach keine Sorgen machen, wohl aber der Arzt, dessen Arbeitstag um diese Uhrzeit beginnt.

Kaum erhöht war die Rate für Schlaganfälle, auch gab es keine signifikanten Unterschiede bei der Sterberate zwischen Beschäftigten mit und ohne Schichtbetrieb.

Schichtarbeiter rauchen häufiger und pflegen nicht selten einen ungesünderen Lebensstil als andere Menschen, geben die Autoren zu bedenken. Es könnte also sein, dass nicht die Schichtarbeit selbst, sondern bekannte kardiale Risikofaktoren bei Schichtarbeitern den Grund für die Häufung von Herzinfarkten liefern.

Da jedoch auch in Studien, die solche Risikofaktoren berücksichtigt haben, die Rate kardialer Ereignisse erhöht war, gehen die Forscher um Vyas davon aus, dass Schichtarbeit, vor allem nachts, tatsächlich ungünstig für Herz und Gefäße ist.

Studien hätten etwa gezeigt, dass bereits eine einzige Nachtschicht den Blutdruck erhöht und die Herzfrequenzvariabilität beeinträchtigt.

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