Diabetes mellitus

Neue Analysen bewerten Glitazon positiv

Veröffentlicht: 17.12.2007, 05:00 Uhr

MÜNCHEN (hbr). Eine Metaanalyse hatte für Typ-2-Diabetiker, die mit Rosiglitazon behandelt wurden, ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und kardiovaskulären Tod nahegelegt. Neue Untersuchungen bestätigen diese Aussage jedoch nicht. Auch die Zulassungsbehörden sehen mehr Nutzen als Risiko.

Die Metaanalyse habe Schwachstellen, hat Privatdozent Dr. Kristian Löbner von GlaxoSmithKline bei einer Veranstaltung des Unternehmens in München berichtet. So seien die einbezogenen Studien vor allem auf Blutzuckersenkung ausgerichtet gewesen, aber nicht auf kardiovaskuläre Endpunkte. Zudem hätten sie meist nur kurze Zeiträume von einem halben Jahr erfasst und lieferten deshalb auch nur kleine Ereigniszahlen. Das schränke die Aussagekraft der Analyse ein.

Eine zweite Metaanalyse beschränkte sich deshalb auf Langzeitstudien, die speziell kardiovaskuläre Ereignisse berichteten und mindestens zwölf Monate dauerten. Der Durchschnitt betrug 2,5 Jahre. Verglichen wurden Rosi- und Pioglitazon. Ein erhöhtes kardiovaskuläres Sterberisiko unter der Therapie mit einem Glitazon sei nicht festgestellt worden, so Löbner. Beide Glitazone hätten sich dabei nicht unterschieden.

Eine derzeit laufende Langzeitstudie unterstützt diese Ergebnisse. Die 4447 Patienten der Studie werden mit Rosiglitazon plus Sulfonylharnstoff, Rosiglitazon plus Metformin oder Metformin plus Sulfonylharnstoff behandelt. Eine erste Auswertung über 3,8 Jahre bestätigte die von den Glitazonen bekannte erhöhte Herzinsuffizienz-Inzidenz.

Die Rate für kardiovaskulär bedingte Hospitalisierung oder Tod sei für Rosiglitazon aber nicht erhöht, so Löbner. Auch Herzinfarkte seien nicht gehäuft aufgetreten. In die gleiche Richtung weist die Auswertung einer US-Versicherung, die 165 000 Patienten erfasste. Ein Unterschied in der Herzinfarktrate zwischen Rosiglitazon, Pioglitazon und anderen oralen Antidiabetika wurde nicht ermittelt.

Auch die EMEA sei inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass der Nutzen von Rosiglitazon mögliche Risiken überwiege, sagte Löbner.

Zu den wichtigen Vorteilen zählt er die dauerhaft gute HbA1c-Einstellung unter sieben Prozent. Diesen Wert hielten Patienten, die mit Rosiglitazon (Avandia®) behandelt wurden, in einer Studie 57 Monate. Mit einem Sulfonylharnstoff gelang das nur 33 und mit Metformin nur 45 Monate.

Mehr zum Thema

Gefährliche Diabetes-Komplikation

Kognitive Defizite schon nach einer Ketoazidose-Episode

Das könnte Sie auch interessieren
Umstellung auf GLP-1-RA – Welche Rolle spielt der Hausarzt?

Erfahrungen aus der Praxis

Umstellung auf GLP-1-RA – Welche Rolle spielt der Hausarzt?

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Was kann ein GLP-1-RA?

Start in die Injektionstherapie

Was kann ein GLP-1-RA?

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Studienlage im Überblick

GLP-1-RA für Erstverordner

Studienlage im Überblick

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Blick in den Hörsaal: Die Landesregierung Baden-Württemberg bringt die Landarztquote für 75 Medizinstudienplätze auf den Weg.

Gesetzentwurf in Baden-Württemberg

Landarztquote: Wer aussteigt, zahlt 250.000 Euro