Direkt zum Inhaltsbereich

Neue Armprothese ermöglicht fließende Bewegung

Mit einer neuartigen Armprothese gelingt es Patienten, nach einem kurzen Training zehn verschiedene Bewegungsarten ohne Verzögerungen auszuführen. Es handelt sich um eine myoelektrische Prothese, die durch reinnervierte Muskeln der Brust gesteuert wird.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:

Die reinnervierten Muskeln der Brust fungieren bei der neuen Prothese gewissermaßen als biologischer Verstärker jener Nervensignale, die von den noch unversehrten Armnerven gesendet werden. Die Technik wird als TMR bezeichnet: Targeted Muscle Reinnervation.

Patientin mit einer myoelektrischen Armprothese nach gezielter Muskelinnervierung.

Patientin mit einer myoelektrischen Armprothese nach gezielter Muskelinnervierung.

© Foto: Rehabilitation Inst. of Chicago/DEKA Research

Die neu versorgten Muskeln, die zuvor unfallbedingt keine biomechanische Funktion mehr hatten, liefern die elektromyografischen Signale (EMG) für fließende Bewegungen im Handgelenk und im Ellbogen. Die Signale werden von zwölf EMG-Elektroden von der Haut über reinnervierte Muskeln wie dem Musculus pectoralis major und dem Musculus serratus abgenommen und an die Prothese weitergeleitet. Getestet haben diese Prothese erstmals fünf Patienten, die eine komplette oder transhumerale Amputation eines Armes hatten (JAMA 301, 2009, 619).

Hand und Unterarm lassen sich zugleich bewegen

Mit bisher genutzten Prothesen können nur nacheinander die entsprechenden Bewegungen ausgeführt werden, was vergleichs-weise lange dauert. Wie die Wissenschaftler um Dr. Todd A. Kuiken vom Rehabilitation Institute in Chicago im US-Staat Illinois berichten, können die Patienten mit der neuen TMR-Prothese dagegen intuitiv und gleichzeitig die Hand öffnen oder schließen und den Unterarm beugen oder strecken - und das geht viel schneller als mit bisherigen Prothesen.

Die Patienten, die die Armprothese nach einem kurzen Training testeten, konnten Bewegungen ähnlich gut ausführen wie unversehrte Kontrollpersonen: Die durchschnittliche Zeit, die die Teilnehmer für einen Bewegungsvorgang benötigten, lag bei den Patienten mit der Prothese bei 1,3 Sekunden. Teilnehmer der Kontrollgruppe brauchten im Durchschnitt dagegen etwa eine Sekunde.

Nach Angaben von Kuiken soll die Prothese noch weiter verbessert werden, bevor eine Studie damit begonnen werden könne.

» Zur Sonderseite "Medica 2009" » Zum E-Paper "Medica aktuell"

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Vorteile von Vamorolon

© Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, modifiziert nach [3−5, 6]

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Neue Perspektiven für die Versorgung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, München
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Chance auf frühe Diagnose?

Pankreaskrebs: Welche Verschreibungen Verdacht wecken sollten

Lesetipps
Ärztin untersucht Schilddrüse

© Peakstock - stock.adobe.com

Systematische Ursachensuche

Therapierefraktäre Hypothyreose: Was steckt dahinter?