Neue Hoffnung: Immunglobuline gegen Demenz

Neue Hoffnungen gegen Demenz ruhen auf intravenösen Immunglobulinen. Experten warnen aber vor überhöhten Erwartungen.

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BERLIN (gvg). Gegen keine andere neurologische Erkrankung dürften derzeit so viele Medikamente in der klinischen Entwicklung sein wie bei der Alzheimer-Demenz. Doch auch die Zahl der abgebrochenen Studien und gestoppten Entwicklungsprogramme ist ausgesprochen hoch.

Doch weil so viele Menschen betroffen sind, verbreiten sich gute Nachrichten aus der Demenzforschung besonders schnell. Das gilt auch für einen neuen Therapieansatz, bei dem intravenöse Immunglobuline (IVIG) zum Einsatz kommen. In einer vor einem Jahr bekannt gewordenen Studie mit 24 Patienten mit milder bis moderater Alzheimer-Erkrankung wurden IVIG-Injektionen alle zwei bis vier Wochen mit Kochsalzinjektionen verglichen.

Die IVIG-Therapie war der Placebotherapie dabei klinisch und in der Bildgebung überlegen. Die Verschlechterung der kognitiven Funktionen, gemessen mit dem ADAS-cog-Score, war nach 18 Monaten signifikant geringer. Und auch das Ventrikelvolumen im MRT - ein Maß für das Fortschreiten der Hirnatrophie - nahm signifikant langsamer zu.

Die IVIG-Hersteller Baxter und Octapharm haben daraufhin jeweils klinische Studien der Phasen II und III initiiert. Beim DGPPN-Kongress warnte Professor Richard Dodel von der Universität Marburg, der die Octapharm-Studie leitet, allerdings vor zu frühem Jubel. "Das sind natürlich sehr interessante Daten. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Evidenz bisher auf insgesamt nur 37 Patienten beruht", sagte Dodel.

Ein Problem dieses Ansatzes sei, dass IVIG nicht unbegrenzt verfügbar seien. Immunglobuline kommen derzeit vor allem bei Immunmangelerkrankungen, allogenen Transplantationen und einigen Leukämien zum Einsatz. Für diese Patienten reichen die Kapazitäten. Sollten aber die Demenzpatienten dazu kommen, dann könnte es eng werden, solange IVIG wie bisher durch Aufreinigung von Spenderplasma gewonnen werden.

"Es gibt Internetseiten von Selbsthilfe-Gruppen, da wird jetzt schon heftig diskutiert, was passiert, wenn die Demenzstudien positiv ausfallen sollten", betonte Dodel. Es herrsche teilweise erhebliche Sorge, dass bald nicht mehr genug Immunglobuline zur Verfügung stünden. Dodel plädierte trotzdem dafür, den Ansatz weiter zu verfolgen. "Wir müssen uns dieses Problems aber bewusst sein."

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