Kommentar

Neue Impulse für die Alzheimerforschung dringend nötig

Von Thomas Müller Veröffentlicht: 12.02.2020, 16:23 Uhr

Es ist ein einziges Desaster: Keine gegen Beta-Amyloid gerichtete Therapie konnte bislang in großen klinischen Studien eine Alzheimerdemenz in relevanter Weise verzögern. Lediglich für Aducanumab zeigte sich in einer erneuten Auswertung von Phase-III-Daten ein Vorteil, nachdem eine Zwischenanalyse auch hier negativ ausgefallen war. Ob dieser Vorteil für eine Zulassung genügt, bleibt abzuwarten.

Das ganze Konzept infrage gestellt

Wenn jedoch eine Anti-Amyloid-Therapie selbst bei familiärer Alzheimerdemenz nichts nützt, stellt dies das ganze Konzept infrage. Bei diesen Patienten läuft mutationsbedingt im Amyloid-Stoffwechsel etwas schief, aber möglicherweise ist die Amyloid-Aggregation auch hier nicht das Problem, sondern nur ein Begleiteffekt, und das hieße: Die unzähligen in Alzheimerstudien gescheiterten Antikörper hatten womöglich das falsche Ziel.

Während die Forscher jetzt sicher intensiv darüber nachdenken, wie Beta-Amyloid und Alzheimer wirklich zusammenhängen, lohnt sich der Blick auf andere Ziele. So werden nun endlich auch klinische Studien aufgesetzt, die sich gegen Tau-Protein richten. Tau ist lange Zeit vernachlässigt worden, da es nicht spezifisch bei Alzheimer, sondern auch bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen verklumpt.

Allerdings korreliert es im Gegensatz zu Amyloid sehr gut mit dem kognitiven Abbau. Eine Anti-Tau-Therapie könnte damit auch noch symptomatischen Patienten helfen – vorausgesetzt, das Protein ist eine Ursache der Neurodegeneration und nicht nur ein Marker.

Fehlschläge sind auch eine Chance

Genau hier liegt jedoch das Problem: Trotz jahrzehntelanger intensiver Forschung ist noch immer nicht klar, was genau im Gehirn Demenzkranker passiert und welche Faktoren die Neurodegeneration triggern. Es spricht mittlerweile einiges dafür, dass zumindest bei altersbedingten Demenzen nicht nur ein einzelnes Protein Amok läuft, sondern komplexere Mechanismen am Werk sind und – ähnlich wie in der Onkologie – ebenso komplexe Therapien nötig wären.

Die Fehlschläge sind daher auch eine Chance, neu über die Demenztherapie nachzudenken.

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