Neuer Wirkstoff stoppt Zellzyklus beim Nierenkarzinom

MÜNCHEN (sto). Für Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom gibt es einen neuen, in den USA bereits zugelassenen Wirkstoff: den Enzym-Hemmer Temsirolimus. Mit ihm als Monotherapie leben Patienten länger als mit Interferon-alfa (IFN-alfa) oder der Kombi aus Temsirolimus plus IFN-alfa.

Veröffentlicht:

Der mTOR-Hemmer Temsirolimus besitzt ein neues Wirkprinzip, wie der Urologe Professor Thomas Otto von den Städtischen Kliniken Neuss berichtet hat. Der Enzymkomplex mTOR ist an intrazellulären Signalwegen beteiligt, die Zellproliferation und Angiogenese steuern. Die Überlegenheit von Temsirolimus im Vergleich zu Interferon-alfa beim metastasierten Nierenzellkarzinom hat die ARCC*-Studie belegt. Teilnehmer waren mehr als 600 noch nicht behandelte Patienten (NEJM 356/22, 2007, 2271).

In dieser randomisierten Phase-III-Studieerhielten 626 Patienten mit schlechter Prognose als Erstlinien-Therapie entweder den bisherigen Standard Interferon-alfa (IFN-alfa) oder Temsirolimus oder eine Kombination aus beiden Wirkstoffen. Im Temsirolimus-Arm lag das mediane Überleben bei fast 11 Monaten, in der Vergleichsgruppe mit der IFN-alfa-Monotherapie dagegen bei 7,3 Monaten. In der Gruppe mit der Kombinationstherapie betrug es 8,4 Monate, so Professor Otto bei einer Veranstaltung von Wyeth Oncology in München.

Im Temsirolimus-Arm der Studie schritt die Erkrankung erst nach 5,5 Monaten fort, im Kombi-Arm nach 4,7 Monaten und bei den Patienten mit IFN-alfa bereits nach 3,1 Monaten. Durch die Therapie mit Temsirolimus habe sich auch die Lebensqualität verbessert. Die Zeit ohne Symptome und Toxizität war deutlich länger als in den Vergleichsgruppen.

Mehr als drei Viertel der Nierenzellkarzinome sind klarzellige Nierenzellkarzinome, die ihren Ursprungsort im proximalen Tubulus-epithel haben. Eine weitere Auswertung der ARCC-Studie ergab, dass eine Behandlung mit Temsirolimus auch bei Nierenzellkarzinomen mit seltenerer Histologie effektiver wirkt als IFN-alfa.

Temsirolimus ist in den Vereinigten Staaten als erster und einziger mTOR-Hemmer (Torisel™) zur Therapie bei fortgeschrittenem Nierenzell-Ca zugelassen. Für die EU wurde nach Angaben des Unternehmens die Zulassung im Herbst 2006 beantragt.

*ARCC: A Global Trial for Advanced Renal Cell Carcinoma



STICHWORT

Der Enzymkomplex mTOR

Das Akronym mTOR steht für "mammalian target of rapamycin complex 1 kinase". Es ist ein Enzymkomplex jener Signalkaskade, die den normalen Zellzyklus und die Zellvermehrung steuert. In Tumorzellen ist der Enzymkomplex übermäßig aktiv. Durch Hemmung von mTOR werden jene Eiweißmoleküle nicht mehr synthetisiert, die für die Zellproliferation erforderlich sind, der Zellzyklus wird gestoppt. Darüber hinaus unterdrückt die mTOR-Hemmung die Metastasierung und induziert den programmierten Zelltod. (ple)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Ambulante spezialfachärztliche Versorgung

Neues ASV-Angebot in Leipzig startet

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„Provokative“ Studienergebnisse

Defibrillator: Sollte die Lage der Pads überdacht werden?

Lesetipps
Michael Klinger zieht eine überwiegend positive Bilanz zur Vier-Tage-Woche seiner Praxis. MFA zu finden wurde dennoch nicht einfacher.

© Jörg Wohlfromm

Erleichterung bei der Personalsuche?

Vier-Tage-Woche in der Arztpraxis: Ein Kollege zieht Bilanz

Motorradfahrer fährt an Wahlplakaten vorbei

© Ben Kriemann / PIC ONE / picture alliance

Chefärzte-Appell

Brandenburger Chefärzte starten Wahlaufruf für demokratische Parteien

Im Gespräch mit der Ärzte Zeitung versucht Dr. Klaus Heckemann, Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

© Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Nationalistisches Gedankengut? „Vorwurf trifft mich hart“

Nach Abberufung: Ex-KV-Chef Heckemann erklärt sein Eugenik-Editorial