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Infektionen

Neues Antibiotikaresistenz-Gen in Milch entdeckt

In Bakterien, die natürlicherweise in Kuhmilch vorkommen können, haben Forscher der Uni Bern ein Antibiotikaresistenz-Gen entdeckt. Dieses verursacht auch Resistenz gegen die neueste Generation von Breitband-Antibiotika.

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Forscher der Universität Bern haben in Kuhmilch bei Stämmen von Macrococcus caseolyticus ein Gen entdeckt, das gegen Methicillin resistent macht.

Forscher der Universität Bern haben in Kuhmilch bei Stämmen von Macrococcus caseolyticus ein Gen entdeckt, das gegen Methicillin resistent macht.

© HappyAlex / Fotolia

BERN. Macrococcus caseolyticus ist ein harmloses Bakterium, das auf der Haut von Milchkühen lebt und über das Melken auch in die Milch gelangen kann. Es kann somit in Produkten aus Rohmilch vorkommen, etwa in Rohmilchkäse. Forscher des Instituts für Veterinär-Bakteriologie der Universität Bern haben nun in Kuhmilch bei Stämmen von Macrococcus caseolyticus ein Gen entdeckt, das gegen den Wirkstoff Methicillin resistent macht.

Bei einer mehrjährigen Untersuchung von Milch von Kühen, die an Euterentzündung litten, stellten Forscher um den Berner Veterinär-Bakteriologen Vincent Perreten fest, dass sich darin Macrococcus caseolyticus befand. Euterentzündungen werden häufig mit Penicillin und Cephalosporin behandelt, die wie Methicillin zu den Betalaktam-Antibiotika gehören. Die in der Milch isolierten Bakterien waren jedoch dagegen resistent. Sie wiesen ein ähnliches Resistenz-Muster gegen Betalaktam-Antibiotika auf wie die Methicillinresistenten Staphylokokken (MRSA), aber die bisher bekannten, dafür verantwortlichen Gene (mecA, mecB, oder mecC) fehlten.

"Wir waren fasziniert von dieser neuartigen Resistenz und wollten herausfinden, welches Gen dahinter steckt", wird Perreten in der Mitteilung zitiert. Mit Next Generation Sequencing konnten die Forscher das Gen identifizieren und nachweisen, dass es sich um ein neues Methicillin-Resistenz-Gen handelt (Sci Rep. 2017; 7: 43797).

Bei der Untersuchung des Erbguts von M. caseolyticus identifizierten die Forscher eine bislang unbekannte "Insel" von Antibiotika-Resistenz, welche sich das Bakterium angeeignet hatte. Dort befand sich das neue Resistenz-Gen, welches die Forscher mecD nannten.

Das Team um Perreten fand zudem heraus, dass das neue Methicillin-Resistenz-Gen mecD die Bakterien gegenüber allen Betalaktam-Antibiotika resistent macht, auch gegenüber der neuesten Generation von Breitbandantibiotika, die gegen MRSA-Infektionen eingesetzt wird. Weitere Untersuchungen der "Resistenz-Insel" ergaben, dass diese sich ebenso in das Erbgut von Staphylococcus aureus einfügen könnte. "Da S. aureus und M. caseolyticus sich denselben Lebensraum teilen, könnte dies schon bald in der Natur geschehen", sagt Perreten.

M. caseolyticus mit dem neu entdeckten Resistenz-Gen mecD wurde bisher hauptsächlich bei Kühen identifiziert. In einem Fall wurde es aber auch bei einem Hund isoliert, der an einer Hautinfektion litt.

"Dies bedeutet, dass diese Bakterien das Potenzial haben, verschiedene Tierarten zu kolonisieren. Bislang gibt es keine Hinweise auf mecD beim Menschen, aber das Überspringen des Gens von Macrococcus caseolyticus zu Staphylococcus aureus würde die Bekämpfung von Spitalinfektionen zusätzlich massiv gefährden", erklärt Perreten. Die Selektion und somit weitere Verbreitung dieses Gens sollte laut den Forschenden vermieden werden – insbesondere durch eine Einschränkung von unangemessenem Antibiotika-Einsatz bei Tieren und Menschen. "Es ist zwingend nötig, die weitere Evolution und Ausbreitung dieses neuen Resistenz-Gens bei tierischen wie auch menschlichen Bakterien zu beobachten", sagt Perreten.(eb)

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