Sportmedizin

Nicht die Kicker bereiten Sorgen - eher Politiker und Funktionäre

SAARBRÜCKEN (dpa). Die WM 2006 wird für Professor Wilfried Kindermann noch einmal zu einer großen Herausforderung. Der Sportmediziner an der Uni Saarbrücken ist vom Weltverband FIFA zum Chefmediziner (Chief Medical Officer) berufen worden. Seine Aufgabe besteht darin, in den zwölf WM-Städten und -Stadien beste Voraussetzungen für die medizinische Betreuung von Spielern, Funktionären und Zuschauern zu schaffen.

Veröffentlicht: 16.01.2006, 08:00 Uhr

Kindermann ist erprobt als oftmaliger Chefarzt deutscher Olympia-Teams und in den 90er Jahren Mannschaftsarzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. "Daß die FIFA auf mich zukam, ist eine logische Folge", sagt Kindermann.

Erinnerungen hängen an den Wänden seines Wartezimmers in der Saarbrücker Universität: etwa ein Plakat von den Olympischen Spielen in Seoul, Ruder-Weltmeisterschaften und Poster mit verschiedenen deutschen Fußball-Nationalmannschaften - geziert von Unterschriften jener Sportler, die Kindermann schon betreut hat.

Kernspintomographie muß auch in der Nacht möglich sein

Die medizinische Betreuung bei großen Sportereignissen begann für den geborenen Sachsen und Europameister mit der 4-mal-400-Meter-Staffel aus dem Jahr 1962 mit den Olympischen Spielen 1972 in München. Derzeit organisiert er für die WM 2006 die medizinischen Rahmenbedingungen: In den Stadien muß alles stimmen - von der Ausschilderung der Wege bis hin zur Klinik, die sich für Notfälle bereithält. Eine Kernspintomographie muß dort auch in der Nacht möglich sein.

Daß in vielen Stadien aus Medizinersicht noch nicht alles perfekt war, stellten Kindermann und seine Kollegen beim Confederations Cup im Sommer 2005 fest, der als Generalprobe für die WM galt. "Da war etwa ein Fahrstuhl so kurz, daß eine normale Trage nicht hineinpaßte", erinnert sich Kindermann. Inzwischen seien solche Stolpersteine aus dem Weg geräumt, andere organisatorische Aufgaben seien zu erledigen. Kindermann: "Das ist eine Herausforderung und macht Spaß."

Bei der WM wird der Arzt ständig auf Achse sein. "An den Spieltagen sind wir an den Spielorten, um uns zu überzeugen, daß alles stimmt." Die praktische Arbeit als Arzt soll dennoch nicht zu kurz kommen. "Das laß' ich mir nicht nehmen, daß ich selbst Hand anlege", sagt der 65jährige mit einem Schmunzeln.

"Jürgen Klinsmann hat schon hier gesessen und da gelegen"

Noch bis vor ein paar Jahren hat die deutsche Nationalmannschaft ihre Gesundheitschecks in Saarbrücken absolviert. "Jürgen Klinsmann hat schon hier gesessen und da gelegen", sagt Kindermann und zeigt auf seine Untersuchungsräume. Inzwischen reist er mit seinem Team in die Trainingscamps der Mannschaft und untersucht dort die Leistungsfähigkeit von Ballack und Co.

Bei der WM ist erstmals für jeden Fußballer eine intensive Herzuntersuchung Pflicht, um dem plötzlichen Herztod vorzubeugen. Bei den Sportlern sieht Kindermann aber das geringste medizinische Problem - schließlich bringt jedes Team seine Ärzte mit.

Mehr Sorgen und Arbeit bereitet ihm der VIP-Bereich mit Politikern und FIFA-Funktionären, für den er ebenfalls zuständig ist: "Da haben wir medizinisch viel mehr zu tun." Hostessen werden deshalb schon einmal von Kindermann befragt, ob sie wissen, was im Ernstfall bei einem Herzinfarkt zu tun ist.

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