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Nach Krebsdiagnose

Oft leidet die Diabetes-Therapie

Erhalten Diabetiker eine Krebsdiagnose, vernachlässigen sie oft die Einnahme von Antidiabetika. Und das gilt besonders für Patienten im fortgeschrittenen Stadium der Krebserkrankung.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Insulin-Injektion: Besonders Diabetiker mit fortgeschrittener Krebserkrankung vernachlässigen die Therapie.

Insulin-Injektion: Besonders Diabetiker mit fortgeschrittener Krebserkrankung vernachlässigen die Therapie.

© Klaus Rose

EINDHOVEN. Wie beeinflusst eine Krebsdiagnose bei einem Zuckerkranken die Adhärenz zur antidiabetischen Therapie? Das haben niederländische Onkologen und Internisten jetzt in einer Bevölkerungsstudie untersucht.

Ausgewertet wurden dabei die Daten des Eindhoven Cancer Registry-Pharmo Database Network. Von den mehr als 52.200 Register-Patienten, wählten die Forscher 3281 Patienten mit Krebs und knapp 13.000 Patienten ohne Krebs als Kontrollgruppe aus.

Die Krebspatienten hatten seit Kurzem wegen Diabetes blutzuckersenkende Medikamente eingenommen.

Berücksichtigt wurden im Wesentlichen Patienten mit Tumoren des Darms, des Ösophagus, des Magens, der Bauchspeicheldrüse, der Leber und der Prostata sowie mit Brust- und Lungenkrebs (Diabetologia 2015, online 21. Januar).

Als Parameter für Adhärenz wählten die Ärzte die "medication possession ratio" (MPR). Das Verhältnis gibt an, wie gut sich Patienten an die Anwendung verschriebener Medikamente halten. Bei einer Rate von 80 Prozent geht man von einer Adhärenz aus.

Die Abnahme um 10 Prozent entspricht einem Rückgang von drei Tagen innerhalb eines Monats, an denen blutzuckersenkende Präparate nicht eingenommen worden sind.

Der Wert wurde sowohl für krebskranke Diabetiker als auch für Patienten der Kontrollgruppe ohne Krebs berechnet.

Kein Medikament an zwei Tagen im Monat

Wie die Ärzte berichten, nahm der MPR-Wert vor der Krebsdiagnose pro Monat um 0,10 Prozent zu. Wurde Krebs diagnostiziert, sank der Wert um 6,3 Prozent, was etwa zwei Tagen im Monat entspricht, an denen kein Antidiabetikum genommen wurde.

Danach war die Reduktion nicht mehr so stark und lag pro Monat nur noch bei -0,20 Prozent.

Wurde bei der Analyse auf das Krebsstadium fokussiert, kristallisierte sich das Stadium IV als jene Krankheitsphase heraus, bei dem der MPR-Wert mit -11 bis -15 Prozent am stärksten sank, und das vor allem bei Diabetikern, bei denen Ösophagus-, Magen-, Pankreas-, Leber- oder Lungentumoren diagnostiziert worden waren.

Und dies erachten die Ärzte als klinisch relevant. Eine Stärke der Studie ist nach Angaben der Ärzte, dass es sich in der Studiengruppe um Patienten handelte, die mit der blutzuckersenkenden Therapie erst kürzlich begonnen hatten.

Zudem sei hilfreich für die Studienqualität, dass in der Kontrollgruppe Patienten ohne Krebserkrankung waren. Allerdings gehe aus den verwendeten Daten nicht hervor, welche Gründe jeweils Patienten bewogen hatten, mit der Medikation zeitweise auszusetzen.

In künftigen Studien müsse deshalb geklärt werden, ob es ausschließlich die Entscheidung der Patienten sei oder die Unterbrechung der antidiabetischen Therapie auf Empfehlung der behandelnden Ärzte beruhe.

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