Gynäkologie

Operationen im Becken werden häufig minimal-invasiv gemacht

BERLIN (ner). Die Frauenmedizin hat sich gravierend verändert. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die therapeutischen Zielsetzungen, so Professor Klaus Vetter aus Berlin zu Beginn des Jahreskongresses der Gynäkologen und Geburtshelfer in der Hauptstadt. Der veränderte Lebensstil habe Konsequenzen von der Geburtshilfe bis hin zur Altersgynäkologie.

Veröffentlicht: 19.09.2006, 08:00 Uhr

So wird die Alters- und Palliativmedizin auch für Gynäkologen zu einem zunehmend wichtigen Arbeitsfeld. Beispiel Beckenboden: "In meiner Assistenzarztzeit gab es noch eine regelmäßige Pessarwechsel-Sprechstunde", sagte Vetter zur "Ärzte Zeitung". Heute dagegen operiere man Frauen mit Beckenboden-Problemen auch noch in einem hohen Lebensalter, um die Lebensqualität zu verbessern, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG).

Möglich geworden sind Operationen bei alten Frauen durch schonende Op-Techniken. Es gebe in der Gynäkologie einen Trend, fast jede Op laparoskopisch vorzunehmen, so Vetter. Bei Veränderungen an den Adnexen sei die Endoskopie inzwischen Routine.

    Harninkontinenz-Op ist auch für alte Patientinnen eine Option.
   

Aber auch bei Hysterektomien kommt man inzwischen häufig ohne große Eröffnung der Bauchhöhle aus, so daß dieser Eingriff, zumindest außerhalb Deutschlands, bereits teilweise ambulant vorgenommen werde. Inwieweit dreidimensionale Darstellungen des Operationsgebietes sowie die punktuelle Verwendung von Roboter-Technik weitere Verbesserungen ermöglichen, wird derzeit diskutiert.

Ein weiteres wichtiges Kongreß-Thema ist die Prävention von Krankheiten. So könnten mittlerweile etwa 80 Prozent der Risiken für Schwangerschaft und Geburt mit einer individuell abgestuften Schwangerschaftsdiagnostik erfaßt werden, sagte Vetter. Dabei gehe es jedoch nicht um das "Aussortieren von Kindern", betonte der Gynäkologe.

Ziel sei etwa das frühe Erkennen von Wachstumsstörungen oder Präeklampsien, um therapeutisch früh eingreifen zu können. Um Prävention geht es auch bei der bald zu erwartenden Zulassung eines Impfstoffes gegen humane Papilloma-Viren. Durch die Impfung soll ein großer Teil der Zervix-Karzinome verhindert werden.

Überernährung und körperliche Inaktivität sind ebenfalls Dinge, mit denen sich Frauenärzte zunehmend beschäftigen müssen, sei es in der Geburtshilfe mit zunehmend sehr großen Neugeborenen, die eine erhebliche Belastung für den Beckenboden der Mütter sind, sei es bei alten Frauen mit den Folgen Inkontinenz und Uterus-Prolaps.

Weitere Informationen zum Gynäkologie-Kongreß gibt es unter: www.dggg-kongress.de

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