Pandemie - und keiner merkt's

Von Thomas Müller Veröffentlicht:

Man stelle sich vor: Es gibt eine Pandemie, und keiner merkt's. Tatsächlich hätte die Menschheit die soeben ausgerufene Grippe-Pandemie praktisch nicht wahrgenommen, würde die Verbreitung des neuen Virus nicht akribisch verfolgt und von den Medien mit hoher Aufmerksamkeit begleitet. Doch solange es noch fast jeder Grippetote in die Schlagzeilen schafft, heißt das eigentlich nur eines: Das Virus ist derzeit - zum Glück - noch ziemlich harmlos.

Wenn man bedenkt, dass in jedem Winter allein in Deutschland 5000 bis 15 000 Menschen an saisonaler Influenza sterben, stellt sich die Frage, wie die WHO auf die Idee kommt, die höchste Pandemie-Warnstufe für einen Erreger auszurufen, der offenbar nicht gefährlicher ist als der alljährliche Mix an Grippeviren. Sicher, formal handelt die WHO korrekt: Ein neues Influenza-Virus breitet sich über den Globus aus.

Solange Pandemie-Warnstufen aber nichts über die Gefährlichkeit des Erregers aussagen, drohen sie zur Farce zu werden. Denn irgendwelche neuen Viren breiten sich immer aus, und sei es nur über einen harmlosen Schnupfen. Die WHO sollte ihr Konzept überdenken, sonst nimmt es vielleicht keiner mehr ernst, wenn eines Tages ein weit aggressiveres Virus auftaucht.

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