Direkt zum Inhaltsbereich

Arzneimittelsicherheit

Penicillin-Allergie – Wie oft kommt sie vor?

In den USA gibt jeder zehnte Patient an, schon einmal allergisch auf Penicillin reagiert zu haben. Forscher haben diese Angabe unter die Lupe genommen – mit überraschendem Ergebnis.

Veröffentlicht:
Kampf gegen Keime. Immer wieder stellt sich dann die Frage: Liegt eine echte Penicillin-Allergie vor, wie vom Patienten angegeben?

Kampf gegen Keime. Immer wieder stellt sich dann die Frage: Liegt eine echte Penicillin-Allergie vor, wie vom Patienten angegeben?

© picprofi / Fotolia

KÖLN. In einer aktuellen Publikation (JAMA 2019;321(2):188-199) berichten amerikanische Forscher, dass in den USA rund jeder zehnte Patient angibt, schon einmal allergisch auf ein Penicillin reagiert zu haben. Meist sind Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden oder Juckreiz der Grund für die Vermutung. Allergologische Tests ergaben laut der neuen Untersuchung nun, dass bei rund 95 Prozent dieser Patienten keine Allergie vorliegt.

Ähnliche Zahlen existieren für Deutschland, wie die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) mit Blick auf die US-Studie mitteilt: Hier zeigten Untersuchungen, dass etwa drei Viertel der Patienten, die glauben, an einer Penicillinallergie zu leiden, sogar alle Beta-Lactam-Antibiotika vertragen.

Die DGI verweist nach diesen Daten darauf, dass aufgrund der vermeintlichen Penicillin-Allergie, Ärzte mitunter vorsichtshalber darauf verzichteten, sie einzusetzen. Die Folge: Anstelle der hochwirksamen und gut verträglichen Penicilline erhielten die Patienten dann oftmals Antibiotika, die weniger effektiv seien und mehr Nebenwirkungen verursachten, etwa schwere Durchfälle.

Außerdem werde die Entstehung von Resistenzen befeuert. „Selbst wenn tatsächlich eine Allergie gegen ein bestimmtes Penicillin vorliegen sollte, ist meist trotzdem die Behandlung mit einem anderen Penicillin oder mit einem Cephalosporin aus dieser Gruppe möglich“, wird Gerd Fätkenheuer, DGI-Präsident und Leiter der Infektiologie an der Klinik I für Innere Medizin am Uniklinikum Köln, in der DGI-Mitteilung zitiert. Leider werde in Akutfällen oft auf die Gabe sämtlicher Beta-Lactame verzichtet, weil die Zeit für allergologische Tests nicht ausreiche.

Um die Problematik der Resistenzentstehung einzudämmen und Patienten effektiv und nebenwirkungsarm zu behandeln, rät Fätkenheuer, dass Ärzte die Angabe „Penicillinallergie“ kritischer hinterfragen sollten. So könne auch ein unnötiges Ausweichen auf Breitband- und Reserveantibiotika deutlich reduziert werden. (run)

Mehr zum Thema

Frühe Warnzeichen

Bei diesen Hautbefunden auch an Hantavirus denken

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Über eine Million Datensätze

Wie die Menopause Körperprozesse beeinflusst

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie können Ärzte Einsamkeit erkennen und ansprechen, Professor Adli?

Überprüft

5 Mythen übers Impfen im Faktencheck

Lesetipps
Rote Beete Wurzel, rote Beete Würfel, rote Beete Scheiben und rote Beete Saft.

© Daniel Vincek / stock.adobe.com

Fallbericht

Eine fast fatale Gemüse-Überdosis