HINTERGRUND

Pflanzenkost und Medikamente schützen vor Prostata-Krebs

Von Thomas Müller Veröffentlicht:

Bei sehr langsam wachsenden Krebsarten wie dem Prostata-Karzinom vermuten Forscher, daß eine Prävention durch eine spezielle Ernährung oder Medikamente möglich ist. Zwar gibt es noch wenige prospektive Studien zur Prävention von Prostata-Krebs, doch deuten bisherige Untersuchungen auf eine Schutzwirkung von Vitamin E, D, Selen sowie von 5-Alpha-Reduktasehemmern hin.

Phytöstrogenen in Pflanzenenfetten wird ebenfalls eine Schutzwirkung zugeschrieben - eine mögliche Erklärung dafür, daß in Asien die Prostata-Karzinom-Inzidenz deutlich niedriger ist als in der westlichen Welt, berichtet Professor Bob Djavan aus Wien (Der Urologe 5, 2004, 557).

Denn in Asien ist die Nahrung meist reich an pflanzlichen Fetten, in westlichen Industrienationen enthält sie jedoch überwiegend Tierfette. Bei japanisch- oder chinesischstämmigen Männern, die über mehrere Generationen in den USA oder Europa leben, liegt die Inzidenz für ein Prostata-Karzinom dagegen auf westlichem Niveau - das spricht dafür, daß das Erkrankungsrisiko mehr durch die Ernährung als durch die Gene bestimmt wird.

Protektive Effekte von Lycopen und Sojamehl belegt

Daß bestimmte Pflanzenfette das Karzinom-Risiko senken können, darauf deuten etwa Studien mit Sojamehl hin. Soja, das reich an Phyto-östrogenen ist, hemmte in Tierversuchen die Proliferation von Prostatakrebszellen. Günstig ist offenbar auch das in Tomaten enthaltene Karotinoid Lycopen: In einer Fall-Kontroll-Studie mit 317 Prostatakarzinom-Patienten und 480 Gesunden hatten die Krebs-Patienten deutlich weniger Lycopen-haltige Nahrung gegessen als Gesunde.

ß-Karotin hatte hingegen keinen positiven Effekt und war in der Präventions-Studie ATBC (Alpha-Tocopherol-Beta-Karotin) sogar mit einem erhöhten Prostatakrebsrisiko assoziiert. In der acht Jahre dauernden prospektiven Studie wurde primär der Einfluß von Vitaminen auf die Lungenkrebsrate untersucht.

Über 29 000 rauchende Männer erhielten täglich entweder 20 mg ß-Karotin, 50 mg Vitamin E in Form von Alpha-Tocopherol, beides zusammen oder Placebo. Ein Ergebnis: Mit Vitamin E war zwar die Lungenkrebsrate gleich hoch wie mit Placebo, aber die Prostatakrebs-Inzidenz war im Vergleich zur Placebogruppe um 32 Prozent niedriger und die Mortalität aufgrund eines Prostatakarzinoms sogar um 42 Prozent reduziert.

Vielversprechender Kandidat zur Prävention ist Selen

Als vielversprechender Kandidat zur Prävention gilt auch das Spurenelement Selen. Je höher der Selen-Plasmaspiegel, desto geringer ist offenbar das Risiko, Prostata-Krebs zu kriegen - das legen Daten einer Meta-Analyse von 35 Studien nahe (J of Urol 171, 2004, S50). Zwar handelte es sich dabei vorwiegend um Fall-Kontroll-Studien, doch deuten auch kleinere Interventionsstudien auf eine Schutzwirkung von Selen: So erhielten in einer Studie 1300 Patienten, die bereits einmal Hautkrebs hatten, täglich 200 µg Selen oder Placebo.

Nach 4,5 Jahren war zwar die Inzidenz von erneutem Hautkrebs in beiden Gruppen gleich hoch, jedoch war die Prostata-Krebsrate in der Selen-Gruppe um etwa 66 Prozent geringer. Mehr Klarheit über die Schutzwirkung von Selen und Vitamin E soll die SELECT-Studie (Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial) liefern: Die Teilnehmer bekommen täglich entweder 200 µg Selen, 400 mg Vitamin E, eine Kombination aus beidem oder Placebo. Die Studie hat 2001 begonnen und dauert zwölf Jahre.

Auch Vitamin D könnte das Krebswachstum hemmen. In einer Studie war bei Männern mit niedrigem Serum-Vitamin-D-Spiegel die Prostatakrebs-Inzidenz erhöht.

Hinweise auf einen Schutzwirkung von Androgenhemmern hat die Prostate Cancer Prevention Studie (PCPT) mit dem BPH-Medikament Finasterid ergeben. Der 5-Alpha-Reduktasehemmer blockiert die Umwandlung von Testosteron in Dehydrotestosteron (DHT). DHT begünstigt unter anderem das Wachstum von Prostatakarzinomen. In der Studie bekamen knapp 19 000 gesunde Männer sieben Jahre lang Finasterid (Proscar®) oder Placebo.

Mit Finasterid war die Prostatakrebs-Rate um 25 Prozent niedriger als mit Placebo, allerdings bekamen häufiger Männer, die Finasterid nahmen aggressive Tumoren als Männer mit Placebo. Ob diese erhöhte Rate aggressiver Tumoren tatsächlich ein Therapieeffekt ist, darüber wird noch diskutiert. Für den 5-Alpha-Reduktasehemmer Dutasterid (Avodart®) gibt es ebenfalls Hinweise auf eine Schutzwirkung. Bisher werden von Experten aber noch keine 5-Alpha-Reduktasehemmer zur Prostatakrebs-Prävention empfohlen.



FAZIT

Spezielle Pflanzenkost und auch Medikamente schützen offenbar vor Prostata-Karzinom. So wird die in Asien im Vergleich zu westlichen Industrieländern deutlich geringere Prostata-Karzinom-Inzidenz zum Teil auf die an Pflanzenenfetten und Phytöstrogenen reiche Kost zurückgeführt. Untersuchungen mit Sojamehl und dem Karotinoid Lycopen aus Tomaten haben protektive Effekte ergeben. In Studien wurden zudem Schutzwirkungen von Vitamin E, D, Selen sowie von den 5-Alpha-Reduktasehemmern gefunden. (eb)

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