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Pflanzenpollen wirken immer stärker allergen

MÜNCHEN (wst). Die Pollensaison wird immer länger, und die Menge pro Pflanze freigesetzter Pollen wächst. Dabei werden die Pollen zunehmend allergener, und sie beeinflussen möglicherweise auch die Gesundheit von Nichtallergikern negativ. Das hat Professor Heidrun Behrendt vom Zentrum Allergie und Umwelt (ZAUM) der Technischen Universität München bei einem Allergie-Kongreß in München berichtet.

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Aufgrund der globalen Klimaerwärmung habe sich die jährliche Pollensaison in Mitteleuropa in den vergangenen 30 Jahren im Schnitt um zehn bis zwölf Tage verlängert, so Behrendt. Die ebenfalls ansteigenden Kohlendioxid-Konzentrationen vor allem in der Luft der Ballungsräume sorgen zudem dafür, daß pro Pflanze immer mehr Pollen produziert und freigesetzt werden.

Die Pollen fliegen jedoch nicht nur länger und zahlreicher, sondern sie wirken auch immer stärker allergen. Ein wesentlicher Grund dafür sind die Pollen-assoziierten Lipid-Mediatoren (PALMs). Aus früheren Untersuchungen wissen wir, daß Pollen um so PALM-reicher sind, je höher die jeweiligen Pflanzenstandorte durch Autoabgase und andere Luftschadstoffe belastet sind, wie Behrendt sagte.

Inzwischen wurde auch nachgewiesen, daß die mit den Pollen in die Atemwege gelangten PALMs eine Immunantwort über T-Helferzellen vom Typ 2 fördern. Ohne selbst allergen zu sein, verstärken PALMs damit bei bereits sensibilisierten Patienten die allergische Reaktionsbereitschaft. Sie erleichtern zudem bei noch nicht allergischen, aber prädisponierten Menschen die Induktion einer manifesten Allergie.

Ersten Befunden zufolge können die mit den schadstoffgemästeten Pollen vermehrt in die Atemwege gelangten PALMs sogar bei Menschen, die nicht zu Allergien neigen, subklinische entzündliche Reaktionen in den Schleimhäuten und möglicherweise im Kreislaufsystem hervorrufen. Und vielleicht finde die epidemiologische Beobachtung, wonach bei verstärktem Pollenflug die pulmonale und kardiovaskuläre Komplikations- und Mortalitätsrate steigt, so eine weitere Erklärung, so Behrendt.

Zudem gibt es weitere luftschadstoffassoziierte Mechanismen, die Pollen allergener machen. Bindet nämlich Ruß an Pollen, treten mehr allergene Proteine an die Pollenoberfläche und bilden mit den Rußpartikeln ein stark lungengängiges Aerosol.

Vermehrt gebildete Ruß-Pollenallergen-Aerosole sind wohl auch der Grund, wenn es nach Sommergewittern plötzlich zu regional gehäuften Asthmabeschwerden kommt: Bei plötzlichem Regen nach langer Trockenheit brechen die gequollenen Pollen auf und setzen viele allergene Proteine frei. An Rußpartikel gebunden gelangen sie auch in die Atemwege.

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