Spanien

Pfusch in der Ebola-Krisenbewältigung?

Die infizierte spanische Pflegehelferin hat sich ins Leben zurückgekämpft. Dennoch drohen ihr Ehemann und der Krankenpflegerverband den Behörden mit einer Klage. Ihr Vorwuf: Pfusch.

Von Manuel Meyer Veröffentlicht:
Lebensretter: Das Team, das die spanische Ebola-Patientin betreute. Von links nach rechts: José Ramón Arribas, Marta Arsuaga, Marta Mora and Fernando de la Calle, am Hospital Carlos III in Madrid.

Lebensretter: Das Team, das die spanische Ebola-Patientin betreute. Von links nach rechts: José Ramón Arribas, Marta Arsuaga, Marta Mora and Fernando de la Calle, am Hospital Carlos III in Madrid.

© picture alliance/dpa

MADRID. "Teresa Romero hat das Ebola-Virus überwunden." Der spanische Tropenmediziner José Ramón Arribas strahlte vor Freude, als er am Dienstagabend im Madrider Krankenhaus Carlos III. ankündigte, die Pflegehelferin habe den Kampf gegen den meist tödlichen Virus gewonnen.

Bei Romero wurden in den letzten vier Blutanalysen keine Ebola-Viren mehr festgestellt. Die 44 Jahre alte Krankenpflegerin hatte sich bei der Behandlung eines aus Sierra Leone eingeflogenen Missionars Ende September infiziert. Sie war die erste Person, die sich in Europa mit dem Ebola-Virus angesteckt hatte.

Immunserum und Virostatikum

Die Pflegerin wurde mit einem von einer Ebola-Überlebenden gewonnenen Immunserum sowie einem Virostatikum behandelt, damit der Virenbefall zurückgeht und der Körper eigene Antikörper bilden kann. Welches Mittel genau zur Überwindung des Virus half oder ob es die Kombination war, sei kaum zu beantworten, erklärte Tropenarzt Ramón Arribas.

Vielleicht war es auch ihr Körper, der eigenständig den Virus bekämpfte. Immerhin überleben in Afrika 30 Prozent der Infizierten die lebensgefährliche Krankheit ohne eine optimale medizinische Versorgung, gab der Mediziner zu bedenken.

"Es war ein schwerer und langer Kampf", gab Marta Arsuaga zu. "Oftmals dachten wir, sie schaffe es nicht. Aber Teresa war körperlich und psychisch sehr stark", freute sich die Tropenärztin aus dem Spezialistenteam, das seit dem 6. Oktober um das Leben Romeros kämpfte. Es war auch ein harter Kampf für die Ärzte.

"Der psychologische Druck der tödlichen Ansteckungsgefahr war stets präsent und das Arbeiten in den Schutzanzügen war anstrengend. Es war auch hart, ausgerechnet eine bekannte Arbeitskollegin zu behandeln, die sich genau bei diesem Job ansteckte", versicherte Arsuaga.

Wohl keine Folgeschäden

Jetzt werden die Sicherheitsvorkehrungen auf der Isolierstation jedoch gelockert, obwohl Romero vorerst immer noch mit Schutzanzügen behandelt wird, bis vollkommen ausgeschlossen ist, dass sie den Virus noch übertragen kann.

Vor allem die durch das Virus verursachten Organschäden an Nieren, Leber und das Lungenödem machen den Medizinern noch Sorgen. "Sie wird wohl noch einen Monat in der Klinik bleiben. Folgeschäden wird sie aber keine davontragen", verspricht Tropenmediziner José Ramón Arribas.

Doch damit ist das Kapitel keineswegs abgeschlossen. Der Ehemann der spanischen Ebola-Patientin will die regionalen Gesundheitsbehörden verklagen. "Ich werde vor Gericht beweisen, dass die Bewältigung der Ebola-Krise ein einziges Pfuschwerk war", kündigte er per Video von der Isolierstation an, auf der er sich unter medizinischer Beobachtung befindet.

Auch der spanische Krankenpflegerverband übt harte Kritik an den Sicherheitsprotokollen der Gesundheitsbehörden. "Aufgrund zahlreicher Risikofaktoren und Schutzlücken wird nicht mehr zu klären sein, auf welche Weise sich Teresa infizierte", versichert Verbandspräsident Maximo González Jurado im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Er übergab der Staatsanwaltschaft am Mittwoch einen Bericht, in dem der Krankenpfleger-Verband zudem Mängel an den Schutzbrillen und Handschuhen feststellte. "Die Schutzanzüge und Quarantäne-Vorschriften waren nicht angemessen.

Zudem wurden Pfleger nicht ausreichend auf die Versorgung der Ebola-Patienten vorbereitet. Nur wenige erhielten überhaupt ein angemessenes Training, um die Schutzanzüge richtig an- und auszuziehen", kritisiert González.

Richtlinien nicht eingehalten

Ein weiterer Verstoß gegen internationale Richtlinien: "Es gab kein Protokoll, nach dem Pfleger beim Ablegen der Schutzkleidung von einem Kollegen beobachtet werden mussten. Das alles verstößt unserer Meinung nach gegen das Gesetz, die Gefahren für den Arbeitnehmer auf ein Minimum zu beschränken", so González Jurado.

Seine besondere Kritik richtet sich vor allem gegen das "unmoralische Verhalten" des Madrider Gesundheitsbeauftragten Javier Rodríguez. Um seine politische Verantwortung herunterzuspielen, meint González, gab Rodríguez, der selber Arzt ist, der Patientin indirekt die Schuld an ihrer Infizierung, beschuldigte sie der Lüge und machte sie lächerlich, in dem er im Radio erklärte, man brauche keinen Master, um einen Schutzanzug richtig anzulegen.

"Das verletzt die rechtlich geschützte Ehre des Patienten", sagt González. "Sie ist eine Heldin, die sich freiwillig um die Ebola-Patienten kümmerte und sich dabei selber infizierte. Sie auch noch bloßzustellen, ist unverschämt".

Romeros Ehemann sieht das ähnlich. "Ich werde meinen letzten Blutstropfen dafür hergeben, ihre Ehre und Würde zu verteidigen", erklärte Javier Limón. "Um ihre eigenen Fehler zu vertuschen, gaben sie meiner im Sterben liegenden Frau die Schuld."

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