Skelett- & Weichteilkrankheiten

Plädoyer für Op bei Ruptur des hinteren Kreuzbands

GARMISCH-PARTENKIRCHEN (ner). Ob eine isolierte Ruptur des hinteren Kreuzbandes - zum Beispiel nach Prellung des Schienenbeinkopfes - operiert werden sollte, gilt als umstritten. Klar für eine Operation hat sich der Orthopäde und Kniespezialist Dr. Frank Hoffmann aus Rosenheim ausgesprochen.

Veröffentlicht: 22.02.2006, 08:00 Uhr

Zwar sind die Ergebnisse der Refixation des hinteren Kreuzbandes (HKB) oder einer hinteren Kreuzbandplastik nach wie vor nicht mit den Erfolgen am vorderen Kreuzband vergleichbar, so Hoffmann. Die konservative Behandlung ist für den Orthopäden jedoch keine Alternative.

"Es besteht Einigkeit darüber, daß innerhalb von zehn bis 15 Jahren im medialen Kompartment und im Femuropatellargelenk eine Arthrose auftritt", sagte er beim Wintersportmedizin-Kongreß in Garmisch-Partenkirchen. Er rät bei HKB-Ruptur:

  • Bei Ausriß aus dem Femur sollte das HKB arthroskopisch refixiert werden.
  • Bei tibialem Ausriß erfolgt die offene Refixation.
  • Bei reiner Bandruptur wird zunächst konservativ mit Hilfe einer speziellen Orthese behandelt.

Besteht nach sechs Monaten eine Instabilität, wird die Kreuzbandplastik vorgenommen. Bei alten HKB-Rupturen hält Hoffmann eine Kreuzbandplastik (Ersatz des Bandes) dann für erforderlich, wenn klinische Beschwerden vorliegen und die posteriore Verschiebung des Unterschenkels 5 bis 10 mm beträgt (gemessen mit einem Gerät für gehaltene Röntgenaufnahmen).

Bei der Operation werden beide Bündel des HKB ersetzt, weil sie funktionell wichtige Aufgaben erfüllen - das posterolaterale Bündel spannt sich bei gestrecktem Knie an, das anterolaterale Bündel in Flexion. Als Ersatz verwendet Hoffmann die Gracilis- und die Semitendinosus-Sehne, welche jeweils drei- und vierfach gelegt werden. Die Reißfestigkeit der einzelnen Bündel sei dann mit jeweils 1800 bis 3500 Newton hoch.

Die gefürchteten Verletzungen des Gefäß-Nervenbündels in der Kniekehle könnten nach Angaben von Hoffmann bei Verwendung spezieller Instrumente vermieden werden. Nach eigenen Erfahrungen mit der Behandlungstechnik seit 1995 verbessert sich zwar die Stabilität der Kniegelenke, so der Orthopäde. Die nahezu normale Funktion wie vor dem Unfall werde aber eher selten erreicht.

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