Bluthochdruck

Plädoyer für weitere Therapie mit Betablockern

BERLIN (gvg). Gegen eine pauschale Ausgrenzung der Betablocker aus der Primärtherapie bei essentieller Hypertonie, wie sie in Großbritannien empfohlen wird, hat sich ein Berliner Pharmakologe ausgesprochen. Lediglich vom Einsatz von Atenolol hat er beim Charité Fortbildungsforum-Deutscher Ärztekongreß abgeraten.

Veröffentlicht: 19.09.2006, 08:00 Uhr

Hintergrund der Diskussion ist eine im Juni ausgesprochene Empfehlung der britischen Hochdruckgesellschaft (British Hypertension Society, BHS). Demnach sollten Betablocker bei Hypertonie-Patienten ohne kardiale Begleiterkrankung nicht mehr in der Ersttherapie verwendet werden.

Begründet wurde dies mit einer ungünstigeren Prognose: In einer 2005 publizierten Metaanalyse (The Lancet 366, 2005, 1545) hatten Hypertoniker bei primärer Betablocker-Behandlung ein im Vergleich zu anderen Blutdrucksenkern um signifikant 16 Prozent erhöhtes Schlaganfallrisiko.

Da zwei Drittel der 100 000 Patienten in der Metaanalyse als Betablocker Atenolol erhalten hatten, hält Professor Reinhold Kreutz vom Institut für Klinische Pharmakologie der Charité Berlin den Abschied vom Betablocker generell für nicht zu rechtfertigen, mit Ausnahme von Atenolol.

"Für diese Subgruppe konnten in der Tat ein um sogar 26 Prozent erhöhtes Schlaganfallrisiko und eine ebenfalls signifikant um acht Prozent erhöhte Gesamtsterberate belegt werden. Atenolol sollte deswegen zur Primärtherapie bei Hypertonie nicht mehr eingesetzt werden", so Kreutz.

Für andere Betablocker reichten die Daten aber nicht. So hatten in der Metaanalyse 2200 Patienten mit Metoprolol insgesamt 77 Schlaganfälle, was keine statistische Auswertung erlaube.

Für die Praxis heißt das für Kreutz: Bei kardialen Grunderkrankungen ist ein Betablocker Pflicht. Bei allen anderen Hypertonikern bleibt er mit Ausnahme von Atenolol eine Option in der Primärtherapie. Betablocker sollten aber vor allem bei älteren Patienten und bei Patienten mit erhöhtem Diabetes-Risiko, also positive Familienanamnese, pathologische Glukosetoleranz oder Steroidmedikation zurückhaltend eingesetzt werden.

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