Impfen

Pneumokokken-Kinderimpfung schützt offenbar auch Erwachsene

Aus den USA gab es solche Zahlen schon länger. Jetzt liegen auch für Deutschland erste Hinweise vor, dass die Pneumokokken-Konjugatimpfung nicht nur die Impflinge, sondern indirekt auch ungeimpfte Personen schützt.

Von Philipp Grätzel von GrätzPhilipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Werden Babys gegen Pneumokokken geimpft, sinken Erkrankungszahlen auch bei alten Menschen.

Werden Babys gegen Pneumokokken geimpft, sinken Erkrankungszahlen auch bei alten Menschen.

© Foto: Pfluegelwww.fotolia.de

BERLIN. Seit dem Sommer 2006 wird in Deutschland die Pneumokokken-Konjugatimpfung allen Säuglingen empfohlen. "Was wir sehr schnell sehr deutlich zeigen konnten, ist ein Rückgang der durch die sieben Impfstoff-Serotypen verursachten invasiven Pneumokokkenerkrankungen (IPD) bei Impflingen", sagte Dr. Mark van der Linden vom Nationalen Referenzzentrum für Streptokokkeninfektionen in Deutschland. Wurden dem Zentrum vor Einführung der generellen Pneumokokkenimpfung pro Jahr 90 IPD bei Kindern bis zwei Jahren gemeldet, so waren es in der Saison 2008/2009 gerade mal zwölf.

Parallel dazu kam es zu einem Anstieg der gemeldeten IPD-Fälle, die durch nicht im Impfstoff enthaltene Serotypen verursacht wurden. "Wir können aber nachweisen, dass das darauf zurückzuführen ist, dass die Ärzte mehr melden als früher", so van der Linden. Werden nicht die gemeldeten Erkrankungen gezählt, sondern mit einem statistischen Modell die tatsächlichen Inzidenzen berechnet, dann findet sich zwar der erwartet starke Rückgang bei den durch Impfstoffserotypen verursachten IPD, aber kein paralleler Anstieg bei den IPD durch Nicht-Impfstoff-Serotypen. "Mit anderen Worten: Ein Replacement in großem Umfang findet bisher nicht statt", so van der Linden.

Dafür gibt es jetzt erstmals Hinweise, dass die Pneumokokkenimpfung auch für nicht geimpfte Personen einen gewissen Schutz vor IPD bedeuten könnte. Das lässt sich an der Serotypenverteilung bei nicht geimpften Menschen mit IPD erkennen. Vor Einführung der Impfung waren bei alten Menschen etwa 45 Prozent der IPD-Fälle durch Impfstoffserotypen verursacht. "In der Saison 2008/2009 waren es nur noch 25,2 Prozent", so van der Linden.

In Sachsen wird schon länger konsequent geimpft

Der Trend hält auch, wenn er auf einzelne Bundesländer herunter gebrochen wird. Sehr interessant sind die Daten aus Sachsen, wo früher als in anderen Bundesländern konsequent gegen Pneumokokken geimpft wurde. Entsprechend besser sind die Zahlen: In der Saison 2008/2009 waren nur noch 14 Prozent der IPD bei nicht Geimpften durch Impfstoff-Serotypen bedingt, nach knapp 38 Prozent im Jahr 2006/2007.

Ärztemerkblatt Pneumokokken: www.rki.de "Infektionskrankheiten A-Z"

Mehr zum Thema

Reisemedizin

Fernreisen: STIKO aktualisiert Empfehlungen

WHO-Bericht

Mehr Malaria-Tote wegen COVID-Pandemie

Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

© designer491 / Getty Images / iStockphoto

Long-COVID

Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Long-COVID-Syndrom: Warum Frauen häufiger betroffen sind

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Infusionen bei Long-COVID

Long-COVID-Syndrom: Warum Frauen häufiger betroffen sind

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Viele positive Reaktionen auf Karl Lauterbachs Nominierung zum Bundesgesundheitsminister. Aber auch große Erwartungen.

© Michael Kappeler/dpa

Gesundheitsfachleute zum neuen Gesundheitsminister

„Wir als Ärzteschaft wissen, was wir an Lauterbach haben“

Scholz bringt Wissenschaft gegen Populismus in Stellung

© Michaela Illian

Leitartikel zum neuen Gesundheitsminister

Scholz bringt Wissenschaft gegen Populismus in Stellung