Deutschland

Psoriasis-Patienten nach wie vor stigmatisiert

Welche Vorurteile bestehen hierzulande noch gegenüber Menschen mit Psoriasis, und von welchen Bevölkerungsgruppen werden sie besonders geschürt? Diesen Fragen ist eine Studie der Universität Hamburg nachgegangen.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht: 22.04.2020, 17:35 Uhr
Psoriasis: Betroffene sehen sich mit Vorurteilen konfrontiert.

Psoriasis: Betroffene sehen sich mit Vorurteilen konfrontiert.

© PositiveFocus / Getty Images / iStock

Hamburg. Eine Plaque-Psoriasis ist häufig nicht zu übersehen. Für viele Betroffene ist das sehr belastend, zumal trotz jahrelanger Bemühungen um allgemeine Aufklärung in der breiten Bevölkerung noch immer weitreichende Vorurteile gegenüber Menschen mit Schuppenflechte bestehen.

Anhand der Daten einer repräsentativen Telefonumfrage in den Jahren 2017 und 2018 haben Rachel Sommer vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und Kollegen die Ansichten von über 4000 Personen der Allgemeinbevölkerung zur Psoriasis genauer untersucht (JEADV 2020; online 11. April).

Dabei wurden direkte Fragen nach der persönlichen Haltung und indirekte Fragen zur Einschätzung der Einstellung anderer gestellt. Letztere beinhalteten beispielsweise eine Bewertung des Statements: „Die meisten Menschen finden eine Psoriasis abstoßend“.

Insgesamt ging es vor allem darum, welche Faktoren die Bildung von Vorurteilen gegenüber Menschen mit dieser Hautkrankheit beeinflussen und wie sie sich äußern. Um Veränderungen im öffentlichen Bewusstsein zu verfolgen, wurden die Ergebnisse der aktuellen Umfrage teilweise mit Daten aus dem Jahr 2016 verglichen.

Eigene Haltung der Befragten gegenüber Psoriasis

Etwa jeder Zweite gab an, einen Menschen mit Psoriasis zu kennen, sechs Prozent der Befragten waren selbst betroffen. Mehr als 90 Prozent betrachteten die Hauterscheinungen als sehr belastend, sechs Prozent (2018) beziehungsweise neun Prozent (2016 und 2017) hielten sie für ansteckend und 51 Prozent (2017 und 2018) beziehungsweise 59 Prozent (2016) glaubten, dass eine effektive Behandlung möglich sei.

Die Antworten derer, die nicht selbst betroffen waren, verdeutlichten, dass nach wie vor Vorbehalte gegenüber Menschen mit Psoriasis bestehen: So gaben 20 Prozent (2017) und 17 Prozent (2018) der Befragten an, dass sie nicht zusammen mit einem von Schuppenflechte Betroffenen schwimmen gehen wollten (2016: 19 Prozent). 24 Prozent beziehungsweise 20 Prozent würden sich nicht auf eine Beziehung mit einem Menschen mit dieser Hauterkrankung einlassen (2016: 20 Prozent).

Einschätzungen zu dem, was die Mitmenschen denken

Auf die Frage, was ihrer Meinung nach die Sicht ihrer Mitmenschen auf die Psoriasis sei, stimmte jeweils die Mehrheit der Befragten folgenden Statements ganz oder teilweise zu:

Die meisten Leute …

  • … starren Menschen mit Hautveränderungen an,
  • … finden es unangenehm, jemanden mit einer Hauterkrankung zu berühren,
  • ... finden Menschen mit Hauterkrankungen unattraktiv,
  • ... finden Psoriasis abstoßend,
  • ... haben Mitleid mit den Betroffenen,
  • ... meiden Menschen mit Hauterkrankungen,
  • ... glauben, dass die Psoriasis ansteckend sei,
  • ...finden, dass Menschen mit Psoriasis besser auf sich achten sollten,
  • ... machen negative Bemerkungen über Menschen mit Hauterkrankungen.

In der Regressionsanalyse zeigte sich, dass Personen, die sich vor Psoriasis ekelten, überwiegend Männer und ältere Menschen waren sowie solche, die angegeben hatten, keine Beziehung mit einem Betroffenen eingehen zu wollen.

Nach wie vor Unkenntnis und Stigmatisierung

Die Umfrage verdeutliche, so Sommer und Kollegen, dass es auch heute noch umfangreiche Vorbehalte gegenüber Menschen mit Psoriasis gibt. Immerhin wollten sechs bis neun Prozent der Befragten Betroffenen nicht die Hand geben oder mit ihnen im gleichen Haushalt leben, und die Mehrheit glaubte, dass sich die meisten ihrer Mitmenschen vor Personen mit Schuppenflechte ekelten und diese ablehnten. Jeder Dritte gab zudem an, er habe Diskriminierung beobachtet.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, so Sommer und Kollegen, dass innerhalb unserer Gesellschaft noch nicht die von der WHO angestrebte Aufmerksamkeit für Hauterkrankungen erreicht wurde.

Noch immer nehme ein relevanter Teil der Bevölkerung gegenüber Menschen mit sichtbaren Hauterkrankungen eine feindselige Haltung ein. Demnach seien weitere Bemühungen im Kampf gegen die Stigmatisierung dieser Menschen dringend erforderlich.

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