Welt-Hepatitis-Tag

RKI will Bewusstsein stärken

Die Zahl von Neuinfektionen mit Hepatitis C stagniert. Deshalb rät das Robert Koch-Institut, Defiziten in der Bevölkerung zu Übertragungswegen und Schutzmaßnahmen entgegenzutreten und Risikogruppen mit Präventionsmaßnahmen zu erreichen.

Marco MrusekVon Marco Mrusek Veröffentlicht:
Der Hepatitis C-Virus gehört nach wie vor zu den häufigsten Erregern weltweit. Afrika und Asien sind am stärksten betroffen.

Der Hepatitis C-Virus gehört nach wie vor zu den häufigsten Erregern weltweit. Afrika und Asien sind am stärksten betroffen.

© fotolia.com

BERLIN. Bis zum Jahr 2030 sollen Hepatitis B und C in Deutschland eingedämmt sein - dieses Ziel hat sich die Bundesregierung im April dieses Jahres gesteckt. Die Zielsetzung ist der deutsche Beitrag zur internationalen "NOhep"-Kampagne, die die WHO zum heutigen Welt-Hepatitis-Tag lanciert hat.

Dabei steht Deutschland im internationalen Vergleich bezüglich Hepatitis C (HCV) gut da. Wie aus einer Veröffentlichung des Robert Koch-Instituts (RKI) zu entnehmen ist, liegt die Antikörperprävalenz für HCV in Deutschland bei 0,3 Prozent.

Hat ein Patient HCV-Antikörper, signalisiert dies ja einen bereits erfolgten Kontakt mit dem Virus. Die Prävalenz in Italien beispielsweise liegt fast fünfzehnmal höher (5 Prozent), in Usbekistan liegt sie gar bei 13 Prozent.

Doch es gibt auch Rückschläge. Zwar nimmt die HCV-Inzidenz, also die Zahl der jährlich neu auftretenden Fälle, seit 2005 insgesamt ab. Doch in den letzten sechs Jahren hat sich dieser Trend verlangsamt, die Inzidenz bleibt seit 2011 relativ stabil um die 5000 Neuerkrankungen pro Jahr. Einsamer Spitzenreiter dabei ist die Hauptstadt Berlin. Dort gab es 2015 12,4 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner, so das RKI.

Es sind vor allem Männer in ihren Dreißigern, die sich in Deutschland mit HCV infizieren. Fast doppelt so häufig wie Frauen erkranken Männer an HCV, im Alter von 30 bis 39 sogar fast dreimal so häufig. Dabei stehen zwei Übertragungswege für Männer prominent im Vordergrund, auf sie entfallen zusammen 92 Prozent der Neuinfektionen.

An erster Stelle zu nennen ist intravenöser Drogengebrauch. Mehr als drei Viertel der Neuerkrankungen von Männern und Frauen geschehen über diesen Übertragungsweg, bei Männern liegt der Anteil bei 81 Prozent. An zweiter Stelle steht Sex zwischen Männern. Über diesen Infektionsweg erkrankten 2015 insgesamt 11 Prozent. Vor allem eine zugrunde liegenden HIV-Infektion erhöht das Infektionsrisiko für Männer, die Sex mit Männern haben. Seit 2001 steigt die Zahl der HCV-Neudiagnosen mit wahrscheinlichem Übertragungsweg durch sexuelle Kontakte zwischen Männern, seit 2004 hat sie sich fast vervierfacht.

Um dem HCV-Infektionsrisiko durch intravenösen Drogengebrauch und sexuelle Kontakte zwischen Männern, vor allem bei bestehender HIV-Infektion, zu begegnen, fordert das RKI weiterhin eine verstärkte Aufklärung.

Risikogruppen sollten regelmäßig auf HCV und sexuell übertragbare Krankheiten getestet und Infizierte konsequent behandelt werden. Das RKI empfiehlt den Gebrauch von Kondomen sowie, Drogenbesteck nicht zu teilen.

Um das Bewusstsein zu Übertragungswegen und Schutzmaßnahmen in Risikogruppen zu verbessern, stellen sich die Zuständigen des RKI gezielte Kurzberatungen für Risikogruppen als regelmäßiges Angebot, Schulungsangebote für Mitarbeiter der Drogenhilfe und eine flächendeckende bedarfsorientierte Ausgabe von Konsumutensilien wie Spritzen und Löffeln vor.

Insbesondere junge Drogenkonsumenten sollten so auf lokaler Ebene gezielt mit Präventionsmaßnahmen erreicht werden. Auch bei Flüchtlingen seien Wisssensdefizite zu Hepatitis vorhanden, und mehr als die Hälfte der vom RKI befragten gab an, sich mehr Informationen zu Übertragungsrisiken zu wünschen.

Ärzten rät das RKI, Hepatitis B-Impfungen verstärkt anzubieten und umzusetzen. Personen, die fortgesetzt Infektionsrisiken ausgesetzt sind, sollten regelmäßig auf HIV und HCV getestet werden. Besonders wichtig sei in diesem Bereich die Vorbeugung von Nadelstichverletzungen, fügt die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege hinzu.

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