Regeneration zerstörter Leber kann möglich werden

BERLIN (MV). Selbst bei Patienten mit fortgeschrittener Leberfibrose oder -zirrhose könnte in einigen Jahren eine Regeneration und funktionelle Rekonstitution der Leberfunktion möglich sein. Das hat Professor Detlef Schuppan von der Harvard Medial School in Boston gesagt. Besondere Hoffnung setzt er in eine Kombination antifibrotischer Medikamente mit einer Stammzell-Therapie oder einer Hepatozyten-Transplantation.

Veröffentlicht:

Bereits heute ist zumindest eine beginnende Zirrhose potentiell reversibel, sagte Schuppan bei einem Pressegespräch des Unternehmens Madaus. Dies sei zum Beispiel bei Autoimmunhepatitis mit adäquater Immunsuppression möglich oder bei Hepatitis B und C mit antiviraler oder Interferon-Therapie. Das Problem: Nicht alle Patienten sprechen auf diese Behandlungen an.

Ziel einer antifibrotischen Therapie ist es, die Progression der Fibrose zu hemmen, wenn eine kausale Therapie nicht möglich ist. Angestrebt wird auch, die Reversion einer fortgeschrittenen Fibrose zu induzieren, wenn eine kausale Therapie wegen unerwünschter Wirkungen nicht möglich oder wenig effektiv ist.

Im Tierversuch habe sich bereits mit einigen Pharmaka die Proliferation und Kollagensynthese der Myofibroblasten hemmen lassen, sagte Schuppan bei der Veranstaltung während der 63. Jahrestagung der Deutschen Gesllschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in Berlin. Zu den Substanzen gehören Hemmstoffe des Angiotensin- oder Endothelin-Systems, Thiazolidindione (Glitazone), bestimmte Immunsuppressiva oder antiproliferative Substanzen wie Mycophenolat Mofetil (MMF) oder Rapamycin, Farnesoid-X-Rezeptor-Agonisten, anti-TGF-beta und Halofuginon.

Mit diesen Pharmaka seien im Tiermodell auch die profibrotische Cholangiozyten-Aktivierung gebremst oder eine Fibrolyse (proteolytische Entfernung des überschüssigen Bindegewebes) induziert worden. Klinische Studien mit einigen dieser Substanzen sind geplant, erklärte Schuppan.

Besonders gut dokumentiert sei hier die Wirksamkeit des Präparats Silymarin, betonte der Leber-Experte. Für den Naturstoff aus der Mariendistel sei im Tiermodell eine klare antifibrotische Wirkung gezeigt worden. Der hepatoprotektive und antifibrotische Effekt der Substanz in hohen Dosierungen werde gerade bei Patienten mit chronischer Hepatitis C und nicht-alkoholischer Steatohepatitis untersucht, und zwar in einer von der US-Gesundheitsbehörde NIH geförderten Studie.

Eine Herausforderung ist es, den antifibrotischen Effekt beim Patienten nachzuweisen. Sensitive, nichtinvasive Methoden fehlen bisher. Wiederholte Leberbiopsien seien mit einem großen Stichprobenfehler behaftet, erläuterte Schuppan. Serologische oder bildgebende Verfahren zur Messung von Fibrose und Fibrogenese werden nun entwickelt.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn: Wann eine frühe Operation von Vorteil ist

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Lesetipps
Ei Spiegelei in einer Pfanne

© Kevsan / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?