Hinweise aus Bevölkerungsstudie

Reicht Lithium im Trinkwasser zur Demenzprophylaxe?

Dänische Wissenschaftler haben einen Zusammenhang zwischen Lithium, das mit dem Trinkwasser aufgenommen wird, und der Demenzinzidenz gefunden. Allerdings ist die Assoziation alles andere als linear.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Demenzprävention aus dem Wasserhahn – ist das möglich?

Demenzprävention aus dem Wasserhahn – ist das möglich?

© Thom Thomas Knauer / stock.adobe.com

KOPENHAGEN. Bereits 2009 gab es Hinweise, dass durch Leitungswasser aufgenommenes Lithium suizidpräventiv wirkt. Jetzt haben Wissenschaftler um Dr. Lars Vedel Kessing vom Reichshospital in Kopenhagen erstmals den Zusammenhang mit der Demenzinzidenz in Dänemark überprüft.

Für diese Studie wurden die Daten von fast 74.000 Patienten mit einer Demenz sowie von fast 734.000 Personen ohne Demenz als Kontrollgruppe ausgewertet (JAMA Psychiatry 2017, online 23. August).

Studienergebnisse

  • Menschen, bei denen eine Demenz diagnostiziert worden war, waren durch das Trinkwasser einer durchschnittlichen Lithiumkonzentration von 11,5 µg/l ausgesetzt.
  • Signifikant höher lag der Wert bei Teilnehmern der Kontrollgruppe (12,2 µg/l).
  • Dieser Zusammenhang war allerdings nicht linear.

Höhere Konzentration bei Kontrollgruppe

Das mediane Alter der Teilnehmer lag bei 80 Jahren. Von 2009 bis 2010 sowie im Jahr 2013 wurden in 151 Wasserwerken des Landes Proben gezogen, um den durchschnittlichen Lithiumgehalt zu bestimmen. Der Durchschnittswert lag bei 11,6 µg/l, mit einer Spannweite von 0,6 µg/l im Westen Dänemarks bis zu mehr als knapp 31 µg/l im Osten des Landes.

Aus den Auswertungen geht hervor, dass Menschen, bei denen eine Demenz diagnostiziert worden war, durch das Trinkwasser einer durchschnittlichen Lithiumkonzentration von 11,5 µg/l ausgesetzt waren (Interquartilbereich: 6,5 bis 14,9 µg/l). Signifikant höher lag der Wert bei Teilnehmern der Kontrollgruppe (12,2 µg/l; Interquartilbereich: 7,3 bis 16,0; p < 0,001).

Allerdings war dieser Zusammenhang nicht linear. Denn im Vergleich zu Studienteilnehmern mit einer Lithiumexposition von 2,0 bis 5,0 µg/l war das Inzidenzratenverhältnis (IRR) als Kenngröße bei jenen verringert, die regelmäßig mehr als 15,0 µg/l (IRR: 0,83; < 0,001) und zwischen 10,1 und 15,0 µg/l (IRR: 0,98; p = 0,17) Lithium mit dem Trinkwasser aufnahmen.

Resultat von ergebnisverzerrenden Faktoren

Erhöht war die Rate dagegen bei jenen mit Aufnahme einer Lithiummenge zwischen 5,1 und 10,0 µg/l (IRR: 1,22; p < 0,001). Diesen Zusammenhang beobachteten die Forscher bei vaskulärer Demenz wie bei Demenz vom Alzheimer-Typ gleichermaßen. Allerdings können sie Einflüsse von ergebnisverzerrenden Faktoren nicht ausschließen.

Zwar herrscht unter den Wissenschaftlern im Zusammenhang mit dem biologischen Effekt von niedrigdosiertem Lithium keine Einigkeit. Doch wurde zumindest in Zellkulturen beobachtet, dass subtherapeutische Dosen des Leichtmetalls die Ausschüttung sowohl pro- als auch antientzündlicher Interleukine durch kortikale und hippocampale Neuronen, die in der Petrischale mit Gliazellen zusammengebracht werden, modulieren.

Zudem beeinflussen geringste im Gegensatz zu höheren Dosen das Gleichgewicht der Zellmembranen. Unter anderem werden die Enzyme Phospholipase A2 im Zytosol sowie die kalziumabhängige Phospholipase 2 in Neuronen des Kortex und des Hippocampus aktiviert. Aus Tierversuchen ist bekannt, dass die Aktivierung dieser Enzyme für die Gedächtnisbildung und dessen Abruf erforderlich ist.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Lithium: Mehr Forschung nötig!

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